
Wasser ist ein Menschenrecht. Doch das Gespräch mit Viva con Agua-Mitgründer Michael Fritz führt weit über das Thema Trinkwasser hinaus. Es geht um die Frage, warum Nachhaltigkeit mehr sein muss als Kommunikation, weshalb Unternehmen ihre Strukturen grundlegend hinterfragen sollten – und warum echter Wandel nur mit Ehrlichkeit beginnt.
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Nachhaltigkeit beginnt nicht mit einem Nachhaltigkeitsbericht. Sie beginnt mit der Bereitschaft, bestehende Systeme zu hinterfragen.
In dieser Folge spricht Host Gundula Ullah mit Michael Fritz, Mitgründer von Viva con Agua, über den Weg von einer Pfandbecher-Aktion auf Festivals hin zu einer internationalen Bewegung für sauberes Trinkwasser. Schnell wird klar: Das Gespräch dreht sich nicht nur um Wasser, sondern um Führung, Wirtschaft, Verantwortung und die Frage, warum echte Transformation mehr verlangt als gute Absichten.
„People over Profits. All the time.“
Michael Fritz spricht mit uns darüber:
◍ wie aus einer einfachen Idee eine internationale Social-Business-Bewegung entstand
◍ warum Wasser ein Menschenrecht ist – und auch in Deutschland zunehmend zur Zukunftsfrage wird
◍ weshalb Nachhaltigkeit nicht im Marketing, sondern in der Unternehmensführung entschieden wird
◍ warum Corporate Social Responsibility allein keinen Systemwandel schafft
◍ welche Verantwortung Unternehmen bei gesellschaftlichen Veränderungen tragen
◍ wie soziale Medien unsere Gesellschaft und insbesondere junge Menschen verändern
◍ warum wir Erfolg neu definieren müssen – und weshalb für ihn Menschen wichtiger sind als Profite
Über unsere VOICE. For Future. Michael Fritz:
Michael Fritz ist Mitgründer von Viva con Agua de Sankt Pauli. Aus einer studentischen Initiative entstand in den vergangenen 20 Jahren ein internationales Netzwerk aus Vereinen, Stiftungen und Sozialunternehmen mit dem Ziel, allen Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene zu ermöglichen. Als Unternehmer, Aktivist und Speaker setzt er sich für eine Wirtschaft ein, die gesellschaftlichen Mehrwert über kurzfristige Profitmaximierung stellt.
Quellen zum Nachlesen:
◍ Viva con Agua: https://www.vivaconagua.org/
◍ Goldeimer: https://goldeimer.de/
◍ Villa Viva: https://www.villaviva-hamburg.de/
◍ UN Sustainable Development Goal 6 – Clean Water and Sanitation: https://sdgs.un.org/goals/goal6
◍ WHO & UNICEF – Joint Monitoring Programme for Water Supply, Sanitation and Hygiene: https://washdata.org/
◍ Club of Rome: https://www.clubofrome.org/
Redaktionsschluss: 25.06.2026
Aufzeichnung: 01.07.2026
Lange Rede, kurzer Sinn, ist daraus dann ein Verein geworden in sieben Ländern, eine Stiftung, eine Wasser GmbH, die abgefülltes Flaschenwasser verkauft. Aber apropos gerade machen, trinkt Leitungswasser, baut euch einen Filter ein, ist das Beste, was ihr machen könnt. Sozial sollte Wasser keinen Preis haben. Es gibt Dörfer in Deutschland, die schon mit dem Wassertank beliefert werden. Es gibt Dörfer, die keinen Zugang mehr zum Grundwasserspiegel haben. Von daher, es ist ein Riesenthema und es ist auch nicht nur in der Trinkwasserknappheit, sondern natürlich auch Ahrtal und andere Wasserkatastrophen, die durch Klima und so weiter. Also entweder wir haben eigentlich in dieser Welt zu wenig Wasser, gerade für Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, oder zu viel. Und es müsste nicht sein.
Willkommen bei Voices for Future, dem Podcast für unternehmerische Zukunftsfähigkeit. Voices for Future ist die Stimme von Funke for Future und damit ein Teil der Zukunftsfähigkeit der Funke Mediengruppe. Mit unseren Gästen aus Wirtschaft, Politik und Medien sprechen wir darüber, wie der Einstieg in unternehmerische Transformation gelingt. Welche ersten Schritte waren entscheidend? Wo lagen die Stolpersteine? Welche Allianzen haben geholfen, intern Bewegung zu erzeugen? Und wie lässt sich ein Umfeld schaffen, in dem KollegInnen mitgehen, statt am Startpunkt zu bleiben? Neugierig? Rein in die neue Folge!
Willkommen bei einer neuen Folge unseres Voices for Future Podcasts. Heute mit Micha Fritz, dem Gründer von Viva Con Agua. Herzlich willkommen, lieber Micha.
Hi, kleine Korrektur, ich bin nur einer der Gründer, weil es gibt zum Glück ganz viele Co-Founder. Weil sonst würde ich das ganze Engagement derjenigen nicht sichtbar machen, das sichtbar gehört.
Super, danke, dass du es nochmal klargestellt hast. Also einer der Co-Gründer. Nachhaltigkeit beginnt nämlich mit Ehrlichkeit…
So ist es.
…gerade machen und nicht irgendeinen Bullshit rauslabern.
Genau. Und genau deswegen haben wir diesen Podcast, um genau diese Ehrlichkeit rüberzubringen. Und ja, du hast gerade so ein bisschen den Einstieg gegeben.
Einer der Co-Gründer. Und es hat ja mal irgendwie, glaube ich, mit Pfandbechern bei FC Pauli angefangen. FC St. Pauli angefangen.
Ja, ganz vor St. Pauli haben wir sogar auf dem Hurricane und auf dem Lunatic und in Musikfestivals Pfandbecher gesammelt und haben damit ein Angebot für, sag ich mal, die Jugendkultur, die Musikbewegung geschafft, wie sie sich einfach engagieren können, nämlich auf dem Musikfestival. Sie kriegen Tickets for free, die Ehrenamtlichen, sammeln dann Pfandbecher mit einer Tonne und einer Fahne. BLAB sagt, ey, ihr müsst nichts anderes machen, außer eure Lieblingsband abwerfen, fliegen 6000 Becher auf die Bühne, jeder Becher ist ein Euro. So haben wir dann letztendlich am Ende der Saison eine Million Pfandbecher gesammelt auf Musikfestivals, Tourneen und hatten halt ein Angebot für Jugendliche, sich zu engagieren und das gab es davor nicht und ich glaube, das war einer der Knackpunkte von Viva Con Agua oder Trifugationspunkte oder whatever you wanna call it. So, weil ab da war ein sehr simples, sexy und strukturelles, soziales Angebot da. Du musst ja das ein bisschen in Retro-Perspektiv betrachten. Also vor 20 Jahren haben wir gegründet.
20 Jahre ist das schon her?
Ja, 20 Jahre. Und damals kamen 70 Prozent aller Spenden von über 60 hängen. Das heißt, ganz viele aus dieser Jugendbewegung waren gar nicht Teil davon.
Ach so.
Ja.
Und als ihr das damals angefangen habt, habt ihr das einfach so gemacht aus einer Idee oder wie ist das entstanden?
Benji aka Benjamin Rainer Adrion hatte die Idee, der hat damals noch beim FC St. Pauli gespielt und wollte seine soziale Stellung als Fußballprofi, wenn du als Fußballprofi was sagst, ist es in jeder Zeitung, vor allem der mit den vier Buchstaben, egal ob es relevant ist wirklich für eine Gesellschaft oder nicht. Und damit wollte er was Soziales, Gesellschaftliches kreieren mit einem Mehrwert und das war eigentlich eine Schnapsidee. Erstmal 50.000 Euro zusammen für Trinkwasserprojekte in Kuba und das ging auch direkt aufs Konto der Welthungerhilfe. Wir hatten gar keinen eigenen Verein, haben einfach gesammelt, Elektropartys gemacht. Erste Veranstaltung war Penisverletzung durch Masturbation mit dem Staubsauger von Charlotte Roche, eine Doktorarbeit, die dann gelesen wurde von Tim Mälzer und Heinz Strunk und Fettes Brot, Schwule Mädchen, Soundsystem danach aufgelegt. Also es war auch sehr viele disruptive Brüche in dem St. Pauli-Umfeld, da sind wir groß geworden, sozialisiert worden und lange Rede, kurzer Sinn, ist daraus dann ein Verein geworden in sieben Ländern, eine Stiftung, eine Wasser GmbH, die abgefülltes Flaschenwasser verkauft, aber ey, apropos gerade machen, trinkt Leitungswasser, baut euch einen Filter ein, ist das Beste, was ihr machen könnt, sozial sollte Wasser keinen Preis haben, ja, es gibt eh keine Wasserfirma, die produzieren Wasserflaschen, also Glasflaschen und Plastikflaschen, wir produzieren deutlich mehr Glas wie Plastik, 70 Prozent.
Normalerweise ist es eher in der Industrie andersrum. Ökologisch ist es ein Desaster. Du musst von A nach B produzieren, verschiffen, den ganzen Quatsch. Ökonomisch ist das der tausendfache Preis zu Leitungswasser. Trotzdem brauchst du in dem Markt aus unserer Sicht eine soziale Alternative zu Nestlé und anderen Privatisierern von Wassern.
Dann haben wir noch eine Klopapierfirma, Goldeimer mit Sanitärversorgung, ein Kunstlabel, ein Musiklabel und eine soziale Hotelkette.
Also ihr habt nicht mit Excel angefangen, sondern ihr habt mit der Idee angefangen.
Ja, mit der Idee und dann aber zum Glück sehr viele Leute reingezogen zu Excel, also die Excel können und lieben. Und das war für mich eine Erkenntnis, weil ich bin so krass neurodivergent unterwegs, dass ich Excel in dem Moment, wo ich es öffne, passiert ein Fehler bei mir im kompletten Körper. Bei Excel Komplettabsturz und bei Viva Con Agua auch Selbstauflösungserscheinungen. Und von daher öffne ich kein Excel.
Okay.
Also das kann ich jetzt guten Gewissen sagen und die Erkenntnis war zu checken, ey, manche Leute würden meinen Job hassen, unvorbereitet in den Podcast gehen, dann auf eine Bühne unvorbereitet, dann 50 Leute treffen und dann versuchen mit denen allen auf dem weißen Blatt Papier eine Kooperation zu finden. Das ist eigentlich mein Job. Du bist der kreative Treiber. Einer der kreativen Motoren. Und meine Kollegin zum Beispiel, die liebt halt Excel. Dann nerdet die sich da rein und feiert es voll, wenn diese Formel aufgeht. Und bei mir würde das Gegenteil passieren. Deswegen, ich glaube, auch das ist Teil von Reflexionen und so, dass man sich selber da gut einschätzen kann und weiß, was man alles nicht kann und auch nicht mag. Und dann auch gar nicht versucht, da gut zu werden.
Lass uns nochmal auf das Thema Leitungswasser zurückkommen.
Ich ziehe das mal aus, weil es echt...
Mach es dir bequem.
Danke.
Zugang zu Wasser global ist ein Riesenthema. Wird, glaube ich, auch in Deutschland ein Thema werden.
Ist schon ein Thema. Ganz viele Dörfer…sorry, dass ich unterbreche, das hat mit ADHS Impulskontrolle und weil es, glaube ich, auch wichtig ist, das Thema so zu setzen, wie es schon lange ist. Es gibt Dörfer in Deutschland, die schon mit dem Wassertank beliefert werden. Es gibt Dörfer, die keinen Zugang mehr zum Grundwasser haben, zum Grundwasserspiegel haben. Von daher, es ist ein Riesenthema und es ist auch nicht nur in der Trinkwasserknappheit, sondern natürlich auch Ahrtal und andere Wasserkatastrophen, die durch Klima und so weiter...also entweder wir haben eigentlich in dieser Welt zu wenig Wasser, gerade für Menschen, die keinen Zugang zu Trinkwasser haben, oder zu viel. Und es müsste nicht sein.
Club of Rome sagt seit 1968, du müsstest Landwirtschaft umkehren, du musst natürlich…die Städte sind komplett falsch konzipiert. 50 Prozent der Städte sind designed für Autos, 96 Prozent der Zeit steht ein Auto still. Eine Milliarde Autos gibt es auf dem Planeten. Mit Carsharing würden 100 Millionen reichen. Also es ist auch nicht so, dass die Lösungen nicht da sind.
Auch das ist so.
Und ja, es ist sehr komplex geworden. Aber wenn du es runterbrichst, haben wir auch eigentlich jede Industrie als Appendix oder Wurmfortsatz des Geldes einfach nur gebaut. Wir haben quasi alles...das Einzige, was entscheidend ist, ist, does it bring money or not? Das ist zum Beispiel so ein Beispiel, und du unterbrichst mich, wenn es ausartet oder whatever, oder es in die falsche Richtung oder du es langweilig findest oder whatever, das ist ja dein Podcast, sonst labere ich einfach.
Aber Caro Kebekus hat so eine wunderbare Geschichte gemacht über die Antibabypille. Normalerweise stecken die 20% von den Returns in die Forschung. Bei der Antibabypille ist es 2%. Das heißt, Frauen, sorry, wenn ich ihr sage, aber die Frauen nehmen immer noch die gleiche Scheiße wie in den 60er, 70er Jahren. Hat sich gar nicht verändert. Klammer auf. Es gab viele Studien zu Männern, die auch mal das gemacht haben. Dann haben die abgebrochen, die Studie. Weil, warum? Die Haut wurde unrein, Kopfschmerzen, Übelkeit, Gewichtszunahme etc. …
Nicht, dass wir Frauen das nicht kennen würden.
Richtig. Also wurde dann aufgehört zu forschen. Was ich damit sage ist, aber da wird es nicht gemacht, weil du einfach das gleiche Produkt weiterverkaufen kannst.
Und würdest du dann nicht die Wirtschaft anders denken wollen?
Du musst sie komplett ändern.
Was müsste passieren?
Naja, also wenn man es ganz simpel reduzieren wollen würde, würde man das Finanzwesen, das glaube ich in den 70er Jahren so von Morgan Freeman federführend gebaut wurde, so bauen, dass die Shareholder-Strukturen, also Aktien etc. pp. in Gemeinwohl umgewandelt werden. Es ist doch absurd, dass mittlerweile in Mikrosekunden KI und andere Robotics und Computer Geld von A nach B transferieren und damit Geld machen und das menschliche Auge das gar nicht mehr sehen kann.
Dass das sogar noch passiert auf dem Rücken von ganzen Ländern, Kontinenten wie auf dem afrikanischen Kontinent. Du kannst die Wiesenhandel machen mit Getreide und dann weißt du, dass in Ostafrika Menschen sterben. Das ist die Realität, in der wir leben. Und dann ist voll nett, dass du jetzt Nachhaltigkeitsbeauftragte bei der Funke-Gruppe bist. Wenn man sich jetzt aber anguckt, wie viel Relevanz kriegst du innerhalb dieser Gruppe und wie viel Irrelevanz ist da sonst da und wie viel letztendlich auch so. Also dann ist es immer so ein bisschen die Frage, deswegen bin ich kein Fan mehr von Classic Corporate Social Responsibility. Ich nehme das auch. Gebt mir eure Spenden. Das ist aber alles Ibuprofen. Wir brauchen Strukturveränderungsprozesse und die Strukturveränderungsprozesse können nur in der CEO, Board, Member Ebene sein.
Das heißt, wenn auch deine ganzen sozialen Aktivitäten über die Presse oder Marketing kommt, nice, aber keine Systemveränderung.
Nein, man muss sich ehrlich machen.
Genau. Und dann ist es ein kommunikativer Aspekt und du machst ein Produkt, irgendwie sozialer und ökologischer gibt es dem Anstrich. Aber Real Talk ist, wem gehört das Unternehmen, wer entscheidet wann wie und wenn es einfach am Ende ein CEO, ein CFO, ein CMO ist, dann entscheidet er aus Marketing, Finanzen oder Operations und gesamtorganisatorisch strategisch. Wenn der Chief Sustainable Officer nicht existiert, dann sitzt er nicht bei den wichtigen Verhandlungen am Tisch und dann ist es not a real talk.
Beispiel, wir haben ein Angebot gehabt, 3 Millionen Flaschen, glaube ich, waren das. Wir verkaufen nur zur Größenordnung 42 Millionen Flaschen als Lizenzprodukt, 21 Millionen davon in Hamburg. Das heißt, der Wachstum liegt auch woanders. Deswegen meldet euch gerne, wenn ihr ein soziales Wasser haben wollt und nicht, Leitungswasser trinken könnt. Von einer Airline. Die Airline hätte uns reingenommen, aber...ohne Pfand. Bedeutet, es fliegt nach Mallorca zum Beispiel…sag ich falsch?
Mallorca.
Ja, sorry. Mallorca oder Ibiza oder Korsika. Und dann geht die Flasche mit und dann wird die dort irgendwo weggeworfen.
Genau.
So, hast du keine 25 Cent in das Recycling-System, einzahlen Pfand etc. pp. bedeutet, unnachhaltig. Bedeutet, dass wir es abgelehnt haben. Und das ist genau diese Entscheidung, die du als soziales, ökologisches und ökonomisch denkendes System mit dir ausverhandelst. Und da natürlich drei Millionen Flaschen bei 21 Cent, so that's a lot of money, vor allem für ein soziales Startup oder Impact-Organisation oder NGO oder Ökosystem oder wie auch immer du uns...
Hattet ihr da viele Diskussionen intern?
Nein, es war relativ schnell entschieden, dass wir das nicht machen können. Okay. Also war relativ klar und trotzdem, klar ist das ein Punkt, der nervt, weil du natürlich dann sofort siehst, wie Mitbewerber da überhaupt nicht drüber nachdenken. Mitbewerber, im Prinzip gibt es gar keine Mitbewerber, weil wir sind das einzige richtig soziale Wasser. Also sind wir konkurrenzlos. Und das ist ja auch so wirklich, das Wasser gehört den Menschen, dem Planeten und den Tieren und den Pflanzen. Und niemals einer Firma. Es kann nicht sein, du produzierst auch kein Wasser.
Ja, water is a human right.
Water is a human right, yes.
Und wenn man jetzt darüber nachdenkt, ihr engagiert euch ja viel im globalen Süden, was auch total richtig ist. Und wir haben in Deutschland auch Wasserknappheit. Sollte man dann nicht vielleicht die Aktivitäten eher so auf den Heimatmarkt konzentrieren?
Ja, das ist natürlich eine sehr gute Frage von dir, ja, hier zum Heimatmarkt. Ähm, naja, ich glaube es gibt, die Wahrheit liegt immer in der Mitte, es wird…wir sind jetzt in so einer Phase, wo wir uns sehr strukturell gut aufstellen müssen. Wo wir sauberer, glaube ich, nochmal lernen müssen, ein paar Sachen nachzujustieren. Viva Con Agua, der Verein ist 20 Jahre alt. Das sind dann ein paar Sachen nicht mehr up to date.
Was zum Beispiel?
Führung. Am Ende fängt alles mit Führung an, mit der Kultur. Den Laden ein bisschen aufräumen, ein bisschen stabiler. Und vorbereiten auch für die Disruption, die gerade auf dem Markt ist. Da passiert auch sehr viel Umbruch. Da muss man sich ein bisschen anders aufstellen, glaube ich. Das ist nur meine Perspektive. Und dann, wenn wir auch das und dann auch die Villa Viva, unser soziales Gasthaus, sauber integriert haben und unsere Hausaufgaben gemacht haben, dann kann man sich mit sowas wie Wassersystemen in Deutschland beschäftigen, und vielleicht so in Richtung Wasserschutzgebiete.
Ist das das nächste Ding für euch?
Ich glaube, dass es Sinn machen würde, in Deutschland sich auch zu engagieren, weil Wasser ist, kannst du nicht nur dort sehen. Und natürlich ist es für viele Leute auch ein Argument. Viele sagen schon ganz gleich, ich würde mich hier engagieren, aber in Afrika nicht. Das ist aber eine Marketingentscheidung, die ich als Mensch aus meiner sehr humanistischen...
*Lautsprecherdurchsage im Hintergrund*
Okay…. Stage.
Der MP kommt.
Wer ist der?
Der ist der Ministerpräsident von NRW.
Ja, okay. Dann I couldn't care less. Liebevoll gesagt. Also muss ich ganz einfach sagen, ehrlicherweise, weil ich bin mittlerweile sehr politikverdrossen. Ich habe neulich jemanden getroffen, der im Personenschutz ist. Der hat gesagt, er ist rausgegangen aus dem Personenschutz, weil er mit Politikern zusammen war und nicht mehr akzeptieren konnte, wie krass wir verarscht werden. Auf welchem Rücken da Entscheidungen getroffen werden. Und wenn ich mir die politische Spitze gerade angucke, dann macht sich da keiner gerade.
Ja, es hat ja noch nicht mal jemand was zur Hitzewelle gesagt in Deutschland.
Dann ist da keine Vision. Also dann wird über Teilzeit gesprochen. Ey, seit 20 Jahren reiße ich mir so krass den Arsch auf. Guckt euch meine Augenränder an. Also wirklich.
Das ist aber gar nicht so schlecht.
Ich weiß, wofür ich es mache. Wenn ein Friedrich Merz eine Vision offerieren würde, die die Menschen anspricht, dann würden die sich alle in den Arsch aufreißen. Aber es ist halt so weit weg und es ist so, sein Post gestern zu diesem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft, der zeigt eigentlich, wie weit er weg ist von einem Verständnis. Du kannst doch nicht in einer deutschen Nationalmannschaft, wo alle enttäuscht sind, die Mannschaft enttäuscht ist, der Trainer enttäuscht ist, das komplette Staff und die ganze fußballliebende Gesellschaft sagen, ja, „wir sind stolz auf euch“. What the fuck? Wie kommst du zu der Meinung? Also da muss so viel falsch eigentlich laufen oder die Tweets müssen vorgeschrieben sein und so weiter. Aber ich würde einfach, Herr Friedrich Merz, wenn du diesen Podcast hörst, dann mach doch bitte folgenden Prompt. Tweete alles genau gegenteilig, wie ich schreiben würde. Dann könnte es geiler werden.
Okay, wir werden das weitergeben. Sehr geil, sehr geil. Ja, lass uns mal über die junge Generation reden, die ja gerade so ein bisschen irgendwie den Connect-Gefühl verloren hat zu dem, was im Land passiert. Wie…wie müsste man die jetzt ansprechen damit die sagen, wow geil ich kümmere mich jetzt um solche Themen wie bei euch oder ich engagiere mich mehr im Ehrenamt oder, ich will, dass meine Themen gehört werden wie sollten wir die aktivieren?
Unsere Gesellschaft hat alles dafür getan, dass der Mensch sich disconnected vom Menschen sein. Wir sind nicht mehr connected mit der Natur, wir sind nicht mehr connected richtig mit Menschen. Wir leben in dysfunktionalen Beziehungen oft.
Wir leben ohne Mama, Papa oder Großfamilie, was auch für alle, wie meine Wenigkeit, die dann zwei Kinder haben, total, jeden Tag über die Grenze gefühlt ist, weil du noch einen Job oder zwei Jobs haben musst, um das zu finanzieren, diesen ganzen Quatsch. Quatsch, beide in der Beziehung wahrscheinlich einen Job haben, wenn sie jetzt nicht einer komplett durch die Decke eskaliert, aber das sind immer nur 0,5 Prozent oder so von der Gesellschaft, also deswegen, das kann nie der, so und wenn wir all, und ich könnte jetzt noch so ein bisschen weitermachen, das heißt, wir sind so disconnected.
Das hat gar nichts mit der Jugend zu tun. Das ist ein gesellschaftliches [Thema]. Die Jugend ist nur diejenige, die noch gar nicht weiß, wo sie hingehört. Die sucht, die Fragen hat, die Antworten braucht sozusagen, die Orientierung braucht, die wild sein will, eskalieren will. Wie willst du eskalieren mit Social Media? Du bist im Club und du eskalierst und irgendjemand macht ein Video davon. Es war wichtig, dass ich im Club gekotzt habe. Es war wichtig, dass ich irgendwie Quatsch gemacht habe.
Too much information.
Ja, aber nein, auch das ist Teil der Nachhaltigkeit, da einfach ehrlich zu sein.
Wo sollen sie ihre Grenzen finden? Wo sollen sie ihren Platz finden? Wo sollen sie sich ausprobieren? Die Klaviatur des Lebens, jede Taste steht für irgendwas und eine Taste ist auch im Club eskalieren. Und eine Taste ist natürlich auch an eine Universität gehen oder eine Ausbildung machen oder hier Schreiner werden, Schreinerin, whatever. Aber diese Tasten und dann natürlich, klar mit diesen sozialen Medien und Screentime, du hast es schon angesprochen, ich bin oft an Schulen, ich frage immer nach Screentime. Das Schlimmste war 19 Stunden.
Was 19 Stunden? Wie geht das denn?
Ja, wie geht das? Du schläfst halt fünf. Also 19 Stunden ist einfach nonstop doomscrolling. Das haben wir gebaut. Es gibt Kinder, die im Schlaf Scroll Bewegungen machen. So, natürlich, wir haben fünf größtenteils faschistoiden, radikalen, spalterischen Alpha-Bros, Tech-Bros, die die Macht gegeben über unsere Kinder. Das Bild, was für mich sich eingeprägt hat, du würdest doch niemals einen Verg*****, einen Drogendealer, einen Faschisten in dein Kinderzimmer lassen.
Niemals. Keiner würde das tun.
Das machen wir die ganze Zeit. Non-stop. Wenn du auf Social Media, dann kannst du so schnell über einen Klick, falschen Klick, bist du in so einer Bubble drin. Probiert es aus. Schaut euch ein Video von Ben Unscripted an und guckt danach, was passiert. Oder folgt mal einer AfD-Seite oder whatever. Guckt einfach mal, macht mal diesen Selbstversuch. Und das macht ihr mit euren Kindern. So und nur als, weil natürlich ist es Screentime, hast du mal kurz Ruhe und kannst dich dann selber ans Handy setzen? Willst du mich verarschen? Wir sind einfach komplett alle abhängig, unsere ganze Gesellschaft ist abhängig davon. Und wenn du das alles betrachtest sozusagen, dann machen die immer noch einen guten Job, dann reflektieren die das, dann haben die zum ersten Mal, finde ich, den Mut, Themen anzusprechen. Mental Health kriegt eine andere Dynamik. Ich meine, die meisten auch von den Generationen da oben, also über mir und über dir, du bist ja noch viel jünger wie ich, dann haben die auch alle Mental Health mal gehabt und sind durch Phasen gegangen. Aber da war es nicht erlaubt.
Mein Vater gibt meiner Frau immer noch die Hand, weil er vielleicht diese körperliche Nähe gar nicht zeigen kann. Und es ist nicht schlimm, der ist 42 geboren, der ist 83. Don't get me wrong, ich liebe ihn über alles, hat mir das Leben geschenkt und so. Und trotzdem hat er nicht gezeigt, Gefühle so richtig zu artikulieren, hat er nie gelernt, seine Bedürfnisse zu artikulieren. Ich muss es jetzt mit 40 lernen, weil im anderen Fall gebe ich es an meine Kinder eins zu eins weiter.
Glaubst du, es braucht dann mehr Medienkompetenz?
Was?
Medienkompetenz.
Wir brauchen weniger Medien und vor allem weniger von dem Bullshit.
Den Bullshit wirst du ja nicht stoppen, weil they flop the zone with shit.
Ja, nur warum akzeptieren wir das? Warum sind wir so, dass wir einfach sagen, okay, es ist so? Warum akzeptieren wir, dass wir 46% in Sachsen anhalten? Nein, das ist nicht so. 57% aller Posts der AfD, ist eine Studie, sind aus Nigeria.
Was hat Nigeria mit der deutschen Demokratie zu tun?
Ja, guck mal, das müsste jeder wissen.
Das weiß kein Mensch.
Das weiß kein Mensch. Das heißt, du siehst, also erste Sache ist, 10% der Gesellschaft kommuniziert nur auf Social Media, produziert einen Content. 10% interagiert mit diesem Content. 80% ist Popcorn. Also erstens kein Popcorn essen, zweitens Wasser trinken, weil 50% der Gesellschaft trinkt gar kein Wasser mehr, also der Jugendlichen. Die trinken nur noch so Softdrinks-Scheiße mit Zucker. Kein Wunder, dass unser Gesundheitssystem an den Arsch geht. Aber zurück zum eigentlichen Thema. Das heißt, du hast nur von einer ganz kleinen Gruppe überhaupt deren Reflexion auf die Welt. Und dann von einer ganz kleinen Gruppe, ähnlich groß, die Reflektion auf die Reflektion von der Welt. Das heißt, du hast, es ist so einfach, Meinungsmache zu machen. Und die Algorithmen spielen es aus, aus, aus, aus. Die spielen es aus und der Algorithmus verstärkt schlechte Nachrichten, Empörungsmarketing, fickt die AfD, achtmal. Im Vergleich zu, ey, ich habe eine Lösung für die Welt oder eine Good News, wird halt viel weniger. Weil wir natürlich genetisch so Angst, Höhle, Tiger, Parasympathikus, Sympathikus, irgendwo kann euch das jemand intellektuell erklären.
Okay. Was würdest du denn dann machen, um positive Veränderungen zu bringen?
Wir sind ja kurz vor unserer kleinen Session. Das ist diese klassische Frage, wo du einem Gründer, der in irgendwas reingestolpert ist, eine wirklich komplexe Frage eigentlich stellst und der hat doch auch keine Ahnung. Ich bin doch auch nur reingestolpert in dieses Leben und ich habe hier ein bisschen Lebenszeit. Was ich machen würde, ich würde versuchen, zum Besten aller Wesen die Regeln zu machen und die Gesetze.
Warum bist du denn dann nicht in die Politik gegangen?
Weil bis ich auf dem Level agieren würde, wie ich jetzt bin, würde ich Jahre brauchen. Und ich weiß nicht, ob ich so ehrlich sein könnte. Ich glaube, die korrumpiert schon ganz schön. Und ich kann jetzt gerade, ich bin gerade, habe ich mich ja so ein bisschen auch, ich bin schon Teil von Viva Con Agua und trotzdem habe ich mich so frei und radikal rausgebaut, dass ich alles raushauen kann. Ich kann mein Gehalt raushauen, ich kann jeden Take raushauen, ich kann einfach aus der Freischnauze, und das könnte ich als Politiker bestimmt nicht, weil dann irgendwie eine Parteikomponente kommen würde und sagen würde, aber wir haben einen anderen Take. Und ich so, ja, aber I give a fuck, das ist halt Quatsch. Nur weil ihr das strategisch aus den und den Gründen macht, halte ich nichts davon.
Und ich glaube, du bräuchtest wirklich eine andere Ehrlichkeit. Und du musst die Gesetze anders machen und die Strukturen und auch die Narrative. Was ist Erfolg? Für mich ist Erfolg, wenn meine Kinder weniger Therapie wegen mir brauchen als mehr. Und nicht, wenn ich ein Auto fahre, das fett ist. So ein Auto ist ein Fortbewegungsmittel und ist echt langweilig und ist auch nicht sexy.
Und vor allem, dann fährst du es und dann ist es am Ende doch nur wieder ein Auto.
Das ist ein fucking car. Meine Schwester arbeitet bei Porsche. Ich liebe dich über alles, aber sorry. Also es war auch klar, dass Porsche den Bach runter geht.
Ja?
Ja, die ganze Automobilbranche.
Ja, ich meine, die Automobilbranche hatte gute Zeiten, jetzt haben sie halt schlechte Zeiten.
Ja, aber da werden auch keine guten Zeiten mehr kommen. Und ich hoffe es auch, weil ich will nicht, dass mehr Autos verkauft werden. Es macht keinen Sinn. Wir haben genug Autos und du brauchst kein neues Auto. Und das einzige Produkt, das größer wird, ist das Auto. Alle anderen Produkte werden kleiner. Achtet mal darauf. Das macht gar keinen Sinn. Und die werden nicht mal schöner. Die werden eher klobiger.
Die Diskussion hatte man ja jetzt mit dem neuen, war es Ferrari oder Lamborghini?
War auch hässlich. Aber es ist die falsche Diskussion. Es geht darum, schafft es einen gesellschaftlichen Mehrwert? Und Ästhetik hat einen gesellschaftlichen Mehrwert. Also don't get me wrong. Ein geiler Lambo. Hey, ja, alles cool. Aber er muss halt kein Verbrennermotor sein. Die Verbrenner Fossil Energy weiß seit Jahrzehnten, was sie da macht...
Ja, aber hallo.
...mit den eigenen Studien. Die haben mit der BP eine der größten, manipulativsten Kampagnen ever, ist der CO2-Fußabdruck. Man denkt immer, es ist was Cooles, aber es ist initiiert von BP und zwar eine 200 Millionen Marketing Budget Kampagne weltweit, um uns das Gefühl zu geben, wir haben ja das alles in der Hand als Konsumierende. Das ist aber Bullshit.
Unsere Kaufentscheidung im REWE ist 0,0000001%. Und wir müssen ganz genau gucken bei dem Cerealienregal, wie unsere, also wie wie soll ich sagen, also wem das Ding gehört, am Ende gehört es drei Firmen. Was drin ist, Zucker oder nicht Zucker. Das heißt, du hast eigentlich Auswahl 3 und Auswahl 2, macht 6, wenn ich richtig rechne. So, und dann hast du Auswahl 150, weil Pink, Lila, Blassblau, whatever, Panda, Tiger und so weiter. Aber das ist alles nur oberflächliches Marketing. Deswegen mag ich auch oft keine Marketers und also nicht die Menschen, Menschen liebe ich fast alle, aber den Job, weil sie eigentlich Produkte geiler machen, die gar nicht geil sind. Und das ist voll oft in dieser Bubble, wo ich mir so denke, ey und dann...und liebevoll gesagt, holt ihr euch einen runter darauf, dass da ein 19-Eintel-Plakat steht von irgendwas, aber es ist doch eigentlich, wenn man ehrlich ist, verkauft ihr Scheiße für die Welt. So und diese Ehrlichkeit mal an den Tag zu legen und wirklich zu sagen, ey Leute, wir müssen aufhören damit, damit Profits zu machen, Profits over planet. That's what's happening und das auch in der Gesundheitsbranche, wir können durch alle, in der Bildungsbranche, wir können durch alle Branchen gehen und das muss aufhören. People over profits. All the time. Profits muss komplett umgedacht werden. Eigentlich musst du Geld irgendwie ein bisschen liebevoll gesagt aus dem Spiel nehmen. Weil es ist auch langweilig.
Es ist auch so, guck mal, ich war Sanitäter und das Einzige, was die Menschen auf den letzten Metern sagen, ist, ich hätte gern mehr Zeit mit meiner Familie verbracht.
Mit meiner Familie.
Nicht, ich hätte gern mehr Geld verdient.
Keiner.
You can't take the money into the fucking graveyard. Also warum anhäufen?
Mein Papa hat immer gesagt, das letzte Hemd hat keine Taschen. Das letzte Hemd hat keine Tasche.
Dein Papa war ein schlauer Typ. Wie weiß dein Papa auch, wie lang es noch hier...
Nein, wir schwitzen uns beide zu Tode. Und deswegen wollte ich... Das war auch quasi meine letzte Frage gewesen.
Das auch noch. Alles gut. Ich muss nur irgendwann auf die Bühne.
Nein, nein. Ich weiß, wir müssen jetzt gleich auch los aufs Panel. Von daher mache ich jetzt den Abbinder. Ganz lieben Dank, lieber Micha, dass du heute hier warst. Für deine Ehrlichkeit, für deine Offenheit.
Sehr gerne.
Ja, ich freue mich, weiter zu beobachten, was ihr dann Wildes bei Viva Con Agua treibt.
Danke.
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