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Warum Stadtbäume unsere wichtigsten Klimaanlagen sind, Sebastian Westphal?

Hitze, Dürre und versiegelte Städte setzen unseren Stadtbäumen immer stärker zu. Warum sie weit mehr sind als nur Grünflächen – und wie ein Ehrenamtsprojekt zeigt, dass Klimaanpassung direkt vor der eigenen Haustür beginnt.

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SHOWNOTES

Wenn wir über Klimaschutz sprechen, denken viele an Windräder, Wärmepumpen oder Elektromobilität. Dabei beginnt Klimaanpassung oft viel näher – direkt vor der eigenen Haustür.

In dieser Folge spricht Host Gundula Ullah mit Sebastian Westphal von der Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen über die Gießkannenhelden – ein Ehrenamtsprojekt, das Bürgerinnen und Bürger dabei unterstützt, Stadtbäume in Trockenperioden mit gesammeltem Regenwasser zu versorgen. Gemeinsam sprechen sie darüber, warum Bäume eine unverzichtbare Infrastruktur für unsere Städte sind und wie ehrenamtliches Engagement Klimaanpassung ganz konkret möglich macht.


„Bäume sind die beste und natürlichste Klimaanlage, die wir haben.“

Sebastian Westphal spricht mit uns darüber:

◍ warum Stadtbäume weit mehr sind als ein schöner Anblick – und unsere Städte messbar kühlen

◍ wie aus einer einfachen Idee mit Regenwasser und Gießkannen ein erfolgreiches Ehrenamtsprojekt entstanden ist

◍ weshalb Klimaanpassung nicht allein Aufgabe von Kommunen ist, sondern von der gesamten Stadtgesellschaft

◍ warum gerade Kinder und Nachbarschaften zu wichtigen Treibern für mehr Klimaschutz werden

◍ welche Rolle Unternehmen, Kommunen und Zivilgesellschaft gemeinsam für lebenswerte Städte spielen

◍ weshalb Kooperationen oft der Schlüssel für erfolgreiche Nachhaltigkeitsprojekte sind

◍ warum Ehrenamt heute weit mehr bedeutet als klassische Vereinsarbeit – und sich zunehmend um Zukunftsthemen wie Klima und Nachhaltigkeit dreht

Über unsere VOICE. For Future. Sebastian Westphal:

Sebastian Westphal ist Geschäftsführer der Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen. Mit dem Projekt Gießkannenhelden setzt er sich gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Kommunen dafür ein, Stadtbäume in Hitze- und Dürreperioden zu erhalten. Sein Ziel: Ehrenamt neu denken und Klimaanpassung zu einer gemeinschaftlichen Aufgabe machen.

Quellen zum Nachlesen:

◍ Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen: https://ehrenamt-gelsenkirchen.de/

◍ Projekt Gießkannenhelden: https://ehrenamt-gelsenkirchen.de/projekte/giesskannenhelden/

◍ Umweltbundesamt – Klimaanpassung in Städten: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/anpassung-an-den-klimawandel

◍ Bundesministerium für Umwelt – Natürlicher Klimaschutz: https://www.bmuv.de/themen/naturschutz/natuerlicher-klimaschutz

◍ Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel: https://www.bmuv.de/themen/klimaanpassung

Redaktionsschluss: 01.07.2026

Aufzeichnung: 02.07.2026

TRANSKRIPT

Also Bäume sind neben optischen Reizen, was ganz klar ist, tatsächlich haben die auch eine Funktionalität. Das ist zum einen natürlich, ich habe gerade schon die versiegelten Flächen gerade im Innenstadtbereich angesprochen, das ist Schattenspenden. Dann ist das Ganze auch, wie schon gesagt, mit die beste und natürlichste Klimaanlage durch Verdunstung über die Blätter in der Nähe von Bäumen kann man wirklich messbar die Temperatur runterkriegen. Und gegen Allergien und als Pollenfilter. Das Ganze wird also auch entsprechend, ausgeweitet. Von daher gehört es zum Stadtbild einfach dazu. Es ist ein Teil unserer Infrastruktur, der unbedingt erhaltenswert bleiben muss.  

Willkommen bei Voices for Future, dem Podcast für unternehmerische Zukunftsfähigkeit. Voices for Future ist die Stimme von Funke for Future und damit ein Teil der Zukunftsfähigkeit der Funke Mediengruppe. Mit unseren Gästen aus Wirtschaft, Politik und Medien sprechen wir darüber, wie der Einstieg in unternehmerische Transformation gelingt. Welche ersten Schritte waren entscheidend? Wo lagen die Stolpersteine? Welche Allianzen haben geholfen, intern Bewegung zu erzeugen? Und wie lässt sich ein Umfeld schaffen, in dem KollegInnen mitgehen, statt am Startpunkt zu bleiben? Neugierig? Rein in die neue Folge!

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Voices for Future, dem Podcast von Funke for Future.

Heute zu Gast bei mir im ID.Buzz, unserem rollenden Podcast-Studio, ist Sebastian Westphal von der Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen. Herzlich willkommen, lieber Sebastian.  

Vielen Dank für die Einladung.  

Schön, dass du heute da bist. Heute geht es um das Thema Ehrenamt und Klimaschutz. Und wenn viele, Sebastian, wenn viele an Ehrenamt und Klimaschutz denken, sprechen wir oft an Windräder, Klimaschutz, Elektromobilität. Aber wir wollen heute über Gießkannen sprechen und das Thema Gießkannen und Ehrenamt. Und vielleicht erklärst du ein bisschen, was es damit auf sich hat und wie es denn dazu kam, zu den Gießkannenhelden.  

Ja, erstmal ist das ein bisschen abstrakt, wenn man das Ganze überlegt. Nichtsdestotrotz ist es ja so, dass wir in den Jahren 18 bis 22, in diesen fünf Jahren hatten wir vier Dürrejahre. Und man merkte es in der City im oberen Bereich, ich komme aus Gelsenkirchen, aber ich denke grundsätzlich gerade im Ruhrgebiet sehr viel versiegelte Flächen. Die Innenstädte insbesondere werden immer wärmer und wir haben uns überlegt, wir wollen was dagegen tun. Als Stadtgesellschaft, nicht nur die Städte und Kommunen, sondern grundsätzlich auch wir als Freiwilligenagentur und möchten da die Bürgerschaft irgendwie initiieren, um etwas dagegen zu tun im Rahmen unserer Möglichkeiten. Und dann haben wir uns überlegt, die Bäume, die wir haben, die Stadtbäume, sind eigentlich die beste Möglichkeit, weil es die besten Klimaanlagen sind, unter anderem, die es überhaupt gibt. Und so haben wir dieses Projekt, ist auf die Füße gekommen.

Die Essener Kollegen haben damit angefangen und wir haben das adaptiert, haben es ein bisschen weiterentwickelt und mittlerweile ist es ein Erfolgsprojekt. Wir sind im vierten Jahr und sind mehr als zufrieden.  

Okay, und die Bäume schaffen das so aufgrund der Dürre nicht mehr?  

Es sind ja große Bäume, man sollte vielleicht meinen, die haben tiefe Wurzeln. Ja, wir haben durch die Dürrejahre sind sie einfach die entsprechend so ausgetrocknet, dass es den Bäumen einfach schlecht wird. Dadurch wird die Verästelung immer schwächer. Und durch Stürme und groß starke Ereignisse, jeder hat die Bilder noch in den Augen, sind viele Bäume einfach umgefahren, abgeknickt und wir wollen die Bäume einfach möglichst lange und stark erhalten. Wie machen wir das, indem wir aus der Privatbürgerschaft oder auch bei Initiativen und Bildungsträgern aktiv gießen neben den städtischen Betreibern, was eigentlich deren Aufgabe ist, aber sie werden der ganzen Sache nicht mehr her und wir wollen da unterstützen.  

Und vielleicht erklärst du noch ein bisschen, viele wissen ja nicht, was Bäume so in der Stadt, was die für einen Benefit bringen, warum Bäume in der städtischen Infrastruktur wichtig sind.  

Also Bäume sind neben optischen Reizen, was ganz klar ist, tatsächlich haben die auch eine Funktionalität. Das ist zum einen natürlich, ich habe gerade schon die versiegelten Flächen gerade im Innenstadtbereich angesprochen, das ist Schattenspenden. Dann ist das Ganze auch, wie schon gesagt, mit die beste und natürlichste Klimaanlage durch Verdunstung über die Blätter in der Nähe von Bäumen, kann man wirklich messbar die Temperatur runterkriegen und gegen Allergien und als Pollenfilter. Das Ganze wird also auch entsprechend ausgeweitet. Von daher gehört es zum Stadtbild einfach dazu. Es ist ein Teil unserer Infrastruktur, der unbedingt erhaltenswert bleiben muss.  

Gibt es denn so Initiativen, dass auch mehr Bäume gepflanzt werden dann in Städten oder sieht man eher so die Tendenz, dass die Bäume, die da sind, bewahrt werden sollten?  

Nein, von den städtischen Betreibern, von den Grünflächenämtern ist es natürlich vorgesehen entsprechend, aber wir haben einen großen und alten Baumbestand, und durch die natürlichen Einflüsse, durch die Klimaerwärmung geht es einfach den Bäumen nicht gut und ein Baum braucht logischerweise viele Jahre, bis er entsprechend groß wird. Und auch diesen Ertrag, sprich durch Klimaschutz und durch entsprechende Temperaturreduzierung, das Ganze erreicht. Und von daher müssen wir gucken, dass wir diese Bäume möglichst lange am Leben erhalten. Im wahrsten Sinne des Wortes, weil sie sterben uns weg.  

Ja, man sieht das ja, wenn die dann irgendwie jetzt im Juni schon Blätter verlieren und so. Das ist dann ja schon echt bitter. Und ihr sagt dann, ihr habt das Projekt Gießkannenhelden ins Leben gerufen. Und was genau verbirgt sich denn dahinter?  

Ja, wir wollen damit Menschen aktivieren und motivieren, aktiv zu gießen. Ganz praktisch. Und wie machen wir das? Indem wir den Bürgern, aber auch Kitas und Schulen und Bildungsträgern, aber auch Privatmenschen kostenlose große Wasserbehälter, sogenannte IBC-Container, zur Verfügung stellen kostenlos. Die sind 1000 Liter, werden die befüllt und zwar werden die automatisch befüllt mit Regenwasser.  

Also quasi, dass es regnet und dann fällt das Wasser da rein?  

Genau, die werden professionell angeschlossen ans Regenfallrohr, das ist die Voraussetzung und so laufen die von alleine voll und so kann man sich als Mensch dann mit der Gießkanne da entsprechend Wasser abzapfen und in idealer Weise den Baum vor der Haustür gießen.  

Achso, also quasi das wird an die Regenrinne des Hauses angeschlossen und dann…

Ganz genau. Es gibt ein Überlaufventil, das also auch nichts passieren kann, wenn er vollläuft, dann läuft er voll, dann geht es wieder in die Kanalisation rein. Von daher ist es schon relativ gut durchdacht. Wir sind TÜV geprüft, also auch mit Stein wird das Ganze beschwert.

Das ist so deutsch…

Ja, wir haben tatsächlich auch in der Vergangenheit mal mit Vandalismus zu kämpfen gehabt, dass mal Wasserhähne abgetreten wurden. Aber auch da haben wir entsprechende Vorkehrungen getroffen. Man kann den Wasserhahn abschrauben, man kann ein Blech davor machen, wenn es auf öffentlichem Grund ist, dass man auch dann entsprechend ein bisschen gegen geschützt ist. Also wir haben probiert, das schon sehr langfristig zu planen.  

Okay, also ich stelle mir das jetzt vor, ich habe da meine Kita oder ich habe mein Haus und da ist an der Regenrinne jetzt die Tonne angeschlossen. Und dann kann ich quasi abzapfen oder mit der Gießkanne das Wasser rausholen und dann den Baum an der Straße damit gießen.  

So ist es praktisch vorgesehen und so wird es auch gelebt. Neben vielen anderen Aspekten, die auch noch dazukommen. Aber das ist die eigentliche Aufgabe.  

Wie viel habt ihr davon in Gelsenkirchen?  

Wir sind jetzt im vierten Jahr und haben mittlerweile rund 260 Container selbst stehen und haben weit davor dazu wachsen. Dank der Förderzusagen, das Projekt kostet natürlich Geld, kommen wir bestimmt mal darauf zu sprechen, ist das auch erstmal gesichert und wir haben mittlerweile viele Nachahmerstädte. Also ich werde oft angefragt aus ganz Deutschland, die ein ähnliches Projekt haben wollen. Und mein Ziel ist es auch, da als Multiplikator zu dienen, damit viele mitmachen. Weil es geht um die Sache, ob es in Gelsenkirchen ist, in Essen ist, in Düsseldorf ist oder in Leipzig oder in Berlin. Spielt keine Rolle. Ich glaube, es geht vielen Städten so.  

Kann man das messen, dass es den Bäumen dann besser geht? Also dass man sagt, der Baum wird gegossen und der nicht und man sieht das?

Ja, im Endeffekt. Es gibt Sensorik mittlerweile, wo wir auch mit anfangen. Oder die Stadt fängt damit an, wo man das Ganze dann messen kann. Da sind wir noch ziemlich am Anfang. Ich sage immer, wenn es sechs Wochen heiß ist oder wie jetzt vor kurzem eine heiße Periode ist, dann braucht man keine Sensorik. Man sieht es einfach, man sieht es am Rasen, man sieht es an Blättern, die hängen, dass es dem Baum nicht gut geht und er dringend das Wasser braucht. Und von daher, ich sage, das Auge sieht es im Grunde schon.  

Ja, das stimmt. Aber du sagst es gerade, es war jetzt eine ganze Zeit lang trocken und auch das Frühjahr war ja eigentlich zu trocken und zu heiß. Was ist denn, wenn es nicht regnet, dann ist nichts in der Tonne drin? Und wenn die Menschen, die sagen und sich bereit erklären, boah, cool, ich will jetzt hier auch helfen und dann habe ich aber kein Wasser, muss ich das jetzt selber bezahlen. Wie geht das dann?  

Nein, auch da haben wir den Luxus, muss man sagen, dank einer unserer großen Förderpartner, ein sehr, sehr großes Wasserunternehmen.  

Mit G?  

Ja, mit G, genau. Und mit Wasser auch weiter. Sehr dankbar sind wir dafür. Die haben ein Unimog angeschafft, entsprechend ein Tankfahrzeug. Und jetzt kommt es, auch das ist nicht so, dass es Trinkwasser ist, womit wir die befüllen, sondern mit Baustellenwasser. Die sind in ganz vielen Städten unterwegs. Dort wird das Wasser von dem Unimog abgeholt, also Baustellenwasser.  

Was ist Baustellenwasser?  

Und entsprechend für Spülen von Leitungen, insbesondere nutzen die große Mengen an Wasser. Und das ist zum Gießen wunderbar. Natürlich ist es kein Trinkwasser, das ist klar. Da kommt der Unimog dann ins Spiel, holt das Wasser dort ab und dann kann man entsprechend über uns diese Container auch befüllen lassen. Von daher ist das ein großer Benefit, den wir haben. Andere Städte, die lösen es etwas anders. Dort kann man dann über Hydranten, die dann befüllen, dann ist es aber wieder Trinkwasser. Was die Nachhaltigkeit natürlich nicht mehr ganz so in den Fokus rückt.  

Das stimmt. Ja und das ist ja eine ehrenamtliche Aufgabe und oft denkt man so am Ehrenamt, ja man trifft sich am Stammtisch und man, macht was oder man engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr oder sowas, aber selten ist das ja ein Klimathema und siehst du, wenn du so an Ehrenamt denkst und als Ehrenamtsagentur, dass sich so das Engagement im Ehrenamt von den Themen her verändert?  

Ja, wir merken eine Entwicklung zum einen, was Themen angeht, gerade junge Leute, das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit ist ein großes Thema, wo sie sich engagieren möchten. Es gibt zum Glück nach wie vor eine ganz breite Palette vom Ehrenamt. Also die klassische Tafel oder im Tierheim oder im Seniorenzentrum sind nach wie vor die Klassiker. Die werden auch weiter bedient. Das ist auch gut und richtig so. Aber es gibt neue Themen wie Klimaschutz, Diversität, Demokratieförderung. Das sind so neue Trends, die wollen und müssen wir natürlich auch bedienen. Und von daher kam dieses Projekt geradezu perfekt in unser Portfolio rein, dass wir auch als Agentur uns zukunftsmäßig als Megatrend da auch entsprechend aufstellen können. Und das ist auch sehr, sehr einfach zu verstehen, will ich mal sagen. Also Wasser, Baum hilft. Ja, und das ist natürlich noch ein ganz toller Nebeneffekt. Nicht nur das Gießen an sich ist für die Umwelt wunderbar, sondern es kommen ja auch zwischenmenschliche Beziehungen zustande, dass Nachbarschaften gießen, dass man sich vorher gar nicht kannte und so gelebte Nachbarschaft beispielsweise entsteht. Kommunikation, ein Miteinander, gerade gegen Einsamkeit ist ein großes Problem, ist ein Thema in unserer Gesellschaft. Auch das ist ein wunderbarer Nebeneffekt, was dieses Projekt noch auslöst.  

Kommen die dann auch bei euch dann mal zusammen, um sich kennenzulernen, dass alle Gelsenkirchener Gießkannenhelden sich mal treffen?  

Ja, wir hatten tatsächlich im letzten Jahr auch ein Sommerfest von den Gießkannenhelden. Dort haben wir sie eingeladen in der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen im Revier Park Nienhausen. Sowohl die Essener als auch die Gelsenkirchen, auch die haben sich kennengelernt, wo wir dann die Menschen, unsere Helden, auf eine Bratwurst eingeladen haben und auf ein Kaltgetränk. Das war sehr erfolgreich und ich denke, wir werden das auch nochmal wiederholen.  

Cool. Ja, vielleicht nochmal zum Thema Klima. Man diskutiert ja unglaublich viel darüber. Jetzt gerade nach der letzten heißen Woche war es ja gefühlt tatsächlich mal wieder in allen Zeitungen und auf Fernsehsendern. Aber darüber, wie wir mit den Folgen des Klimawandels umgehen und was es halt macht, ist, ist halt noch ein bisschen was anderes. Siehst du, wie ist so deine Sicht auf das Thema Klimaanpassung in Deutschland?  

Ich würde sagen, die Baustellen zum Thema Klima, ja gerade im urbanen Bereich, habe ich ja gerade schon gesagt, so Stichwort Versieglung der Flächen ist ein Riesenproblem. Es ist baulich einfach vor Jahren, wo es geplant wurde. Da hat keiner dran gedacht. Wir haben viel Vorlaufzeit in der Verwaltung immer. Von daher ist das ein Thema der Zukunft. Und ich glaube auch nicht, dass diese Vernebelungsanlagen und was es alles an Kleinigkeiten gibt, dass das Problem auf Dauer lösen kann. Ich glaube, wir müssen ein Umdenken einfach haben in der Bevölkerung, aber auch in der Stadtspitze und bei der Planung. Von daher ist es ein Megathema. Im letzten Jahr war Bundestagswahlkampf, da war das Thema Klimaschutz leider kein Thema. Da hatten wir andere Themen, die waren weiter oben auf der Agenda und es kam hinzu, die letzten beiden Jahre waren es relativ milde Sommer. Das heißt, auch in der Bevölkerung war es nicht der Megatrend. Jetzt wie letzte Woche sprechen alle davon und jetzt ist es wieder Thema. Aber es war völlig klar, auch in den Dürrejahren, wo wir angefangen haben, 2023, 22, 23, war es in aller Munde. Jetzt war zwei oder zweieinhalb Jahre Ruhe und jetzt geht es wieder los. Es ist völlig klar und außer Frage, dass es eins der ganz großen Herausforderungen unserer Zeit ist. Und ich glaube, da sind sich alle einig und wir müssen alle im Rahmen unserer Möglichkeiten was dagegen tun. Und ich finde es ja gut, dass sowohl in der Politik wie in der Wissenschaft wie auch in der Zivilgesellschaft solche Themen dann trotz allem, obwohl vielleicht nicht unbedingt geklickt wird, auf die Themen dann vorangetrieben werden. Und vielleicht braucht es halt auch persönliche Geschichten, persönliche Erfahrungen, um mal zu erzählen, was es denn tatsächlich bei mir vor der Haustür macht.  

Bei mir vor der Haustür standen drei große Armenbäume, die sind weg, weil sie gestorben sind. Und ich habe jetzt keinen Schatten mehr und es wird richtig heiß in der Wohnung.

Und gibt es da vielleicht so, ja, jetzt...bei dir aus der Ehrenamtsagentur auch Geschichten, wo du sagst, ach, das ist mir im Kopf geblieben oder da, das möchte ich, du brauchst jetzt keine Namen nennen, aber dass du sagst, das war mal eine Geschichte, die hat es eigentlich mal verdient, groß gespielt zu werden.  

Ja, es ist immer toll. Wir haben gestartet, wir haben unsere Kick-Off-Veranstaltung vor gut drei Jahren in einer Kita gehabt. Und Kita oder Kinder sind natürlich extrem, gerade Kindergartenkinder, extrem gut zu begeistern für das ganze Thema. Da wird das als Projekt gemacht oder auch in den OGS und Grundschulen sind wir ganz aktiv als Projekt. Es gibt Schulgärten und in Kitas. Und dann ist es häufig so, dass die Kinder die Eltern anstecken und tatsächlich dann sagen, Mensch, Papa und Mama, das war super. Dann kam noch der Unimog, der ist blau angemalt. Der sieht auch so ein bisschen aus wie der blaue Elefant von Sendung mit der Maus. Von daher ist das dann auch so ein Eyecatcher da nochmal gewesen. Und dann werden wirklich Eltern selbst mitgezogen von den Kindern und sagen, Mensch, ich hätte gerne auch so einen Container für mich zu Hause. Und auch das geht natürlich. Und von daher gibt es da viele Geschichten. Und das ist schön, wie Kinder häufig dann wirklich die Eltern mitreißen und sagen, Mensch, Papa, Mama, wir müssen jetzt aber auch mal zu Hause gießen. Und guck mal, den Bäumen geht es nicht gut. Das ist ein Selbstläufer. Und da wollen wir dran ansetzen im Endeffekt. Cool. Und wir haben es ja vorhin schon so ein bisschen anklingen lassen. Am Ende geht es ja immer ums Geld.

Wie stellt ihr denn sicher oder wie wird sichergestellt, dass solche Projekte, die ja super sind und auch toll für die Gemeinschaft und Leute zusammenbringen, dass diese Finanzierung auch bleibt in Zeiten Lehrerkassen oder dass Unternehmen sich engagieren, aber unsere Budgets werden auch immer weniger. Wie bringt man solche Themen dann weiter in die Zukunft?  

Ja, ich glaube, man braucht starke, verlässliche Partner, insbesondere Organisationen und Firmen, die sich das Thema auf die Fahne schreiben. Wir in Gelsenkirchen haben den Vorteil, wir haben drei starke Förderpartner oder zwei lokale Förderpartner. Das ist einmal eine Bank und wie gesagt, das große Wasserunternehmen.  

Die …wasser, Liebe geht raus.  

Unbedingt, guten Gruß.

Und natürlich auch haben wir die Imscher-Genossenschaft, die entsprechend auch gerade im Ruhrgebiet entsprechende Fördermöglichkeiten hat. Da ist nochmal Bedingungen dran geknüpft, was auch richtig ist. Und von daher sind wir da sehr, sehr, sehr privilegiert in unserem Dasein. Ohne das würde es nicht funktionieren, so muss man es ganz klar sagen. Nur so können wir im Grunde ein All-Inclusive-Paket der Bürgerschaft zur Verfügung stellen. Wir stellen sogar Gießkannen, selbst die müssen sie sich nicht mitbringen. Auch die von zwei Liter kann für kleine Kinder bis zu zehn Liter kann, auch die stellen wir.  

Ich habe noch eine Fachkraft beschäftigt, eine ganz liebe Kollegin, liebe und große, liebe Vero, die das ganz toll mit viel Leidenschaft macht und ich bin im Hintergrund und probiere das Ganze noch nach außen zu vertreten. Es gibt ein großes Netzwerk. Auch das ist das Besondere. Unsere Geldgeber sind nicht nur Geldgeber. Das ist ja viel zu wenig. So kenne ich es normalerweise. Und nein, es gibt Netzwerke, die auch inhaltlich mitreden. Impulse geben, Tipps geben. Wir können deren Infrastruktur mitbenutzen. Wir teilen auf Social Media unsere Inhalte und so weiter. Von daher ist das wirklich ein ganz tolles Miteinander. Es geht nicht nur ums Geld, sondern sie wollen inhaltlich mitsprechen. Und das ist total positiv. Und das ist doch auch ein Megabeispiel für, oder wie Kooperationen dann auch funktionieren können, wenn jeder ein bisschen was reingibt, dass am Ende fürs große Ganze was getan wird.

Und du hast vorhin schon anklingen lassen, andere Kommunen haben da auch Interesse. Glaubst du, dass sich dieses Modell, was ja natürlich jetzt sehr speziell für Gelsenkirchen ist dann auch in anderen Städten in Deutschland so abbilden lässt? Oder stehen die noch wieder vor anderen Herausforderungen?  

Jede Stadt ist schon ein bisschen anders und individuell. Neben Finanzen braucht man auch, da haben wir noch gar nicht drüber gesprochen, einen Logistikpartner. Es ist ja.

Nicht so, dass man so einen Container fertig, wie er denn ist, bei Amazon oder bei einem anderen großen Unternehmen bestellen kann. Oder das kann man vielleicht, aber das ist unbezahlbar. Auch da gucken wir, was Nachhaltigkeit angeht. Wir kaufen diese Container gebraucht, meistens aus der Lebensmittelindustrie. Die werden gereinigt und dann werden die entsprechend aufbereitet. Es werden zwei Paletten drunter geschraubt. Die werden ummantelt mit Werbung. Es gibt einen Wasserhahn, es gibt noch einen Algenschutzbeschwerung. Das heißt, da ist eine ganze Logistik hinter. Und wir haben in Gelsenkirchen einen Riesenvorteil. Wir haben die Gelsenkirchener Werkstätten. Das ist eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, die als Projekt das wunderbar umsetzen. Das heißt, dort ist das Lager, dort werden die zusammengeschraubt, dort werden die ausgeliefert und angeschlossen.  

Das heißt, wir haben alles aus einer Hand. Auch da schließt sich der Kreis wieder. Es ist ein wunderbares Projekt. Die Essener Kollegen machen es ähnlich, aber auch da, wir helfen auch aus und geben anderen Kommunen Starthilfe. Beispielsweise haben wir andere Ruhrgebietstädte, wo wir jetzt die ersten fünf Container, den zum Selbstkostenpreis verkaufen, damit die mal anfangen können. Ich sage auch immer, man muss nicht direkt 150 Container oder 200 Container, man kann mit zwei anfangen und dann kann man mal gucken, wo es sich richtig, wo es sich hin entwickelt. Und da sind wir ganz fleißig dabei.  

Das, also das, das hört sich richtig cool an. Vor allem diese, ich will nicht sagen, Einfachheit, zusammen mit Behindertenwerkstätten zusammenzuarbeiten. Ich habe in meinem vorherigen Job, habe ich bei einem Fashion Retailer gearbeitet, wo wir dann auch mit Behindertenwerkstätten zusammengearbeitet haben. Das ist ja eigentlich total naheliegend und da dann tatsächlich das Beste rauszukriegen, finde ich richtig cool.

Jetzt haben wir ganz, ganz viel über die Gießkannenhelden geredet, aber ihr habt ja noch viel mehr als Ehrenamtsagentur im Portfolio. Was denn?  

Wie viel Zeit habe ich denn?

Also unsere Hauptaufgabe der Agentur ist, wir lieben Gruß übrigens auch an unsere Partneragenturen in ganz Deutschland im Grunde, wir sind da wirklich gut vernetzt. Unsere Hauptaufgabe ist die Beratung und Vermittlung von ehrenamtlichen Strukturen. Das heißt, zum einen sind wir dafür da, Menschen in ein Ehrenamt zu begleiten, ein passendes Ehrenamt zu finden. Andererseits sind wir auch dafür da, für Organisationen, die Ehrenamtliche suchen, entsprechend diese beiden Parteien zu matchen miteinander. Das ist in eine unserer Hauptsäulen. Darüber hinaus gibt es viele Projekte, die wir noch machen. Die Gießkanteln ist ein Projekt. Der Heldenpass ist ein anderes Projekt. Das ist ein Projekt zur Förderung des jungen Engagements, wo wir in Schulen gehen, in Neunklässler, wo es verschiedene Schnupper-Engagements gibt, um das Ehrenamt zukunftsfähig zu machen. Weil ohne Ehrenamt wird unsere Gesellschaft, so wie wir sie kennen, nicht funktionieren. Ich glaube, da sind sich alle einig.

Und wir haben viele andere Dienstleistungen noch für die Stadtverwaltung, die wir mit übernehmen. Man kann bei uns ein Führungszeugnis beantragen, beispielsweise ganz unbürokratisch. Wir haben ein Anerkennungsprodukt vom Land Nordrhein-Westfalen, die Ehrenamtskarte, die wir ausgeben. Und wir sind ganz eng mit der Stadtverwaltung verbandelt, weil wir kurze Wege haben. Wir sind politisch da ganz aktiv und wollen einfach uns da unverzichtbar machen. Wir sind ein e.V. als Trägerform, von daher sind wir auch immer auf Mitgliedersuche auf Neuer und sind da ganz umtriebig innerhalb der Stadtverwaltung unterwegs, dass das Ehrenamt so weiter so erfolgreich gestaltet werden kann. Und wir werden in diesem Jahr 20 Jahre alt. So lange geht es unserem Verein schon. Und von daher freuen wir uns auf die Zukunft.  

Wie viele verschiedene Projekte habt ihr da so? Wenn ich jetzt kommen würde und sagen würde, ich will mich mal engagieren, aber ich habe noch keinen Plan, was ich machen soll?

Wir haben eine Datenbank, auch da sind wir relativ modern mittlerweile. Und man muss ehrlicherweise sagen, wir greifen natürlich nicht das ganze Ehrenamt ab. Das ist gar nicht möglich. Viele ernähren sich aufgrund ihrer Geschichte, insbesondere Sportvereine und Kirchengemeinden. Die haben wir gar nicht. Das ist doch völlig in Ordnung. Wir haben rund 350 Angebote gelistet in unserer Datenbank und stetig kommen welche dazu, welche laufen noch aus. Das ist immer so ein bisschen im Fluss. Von daher, wir können für fast jeden das passende Ehrenamt finden.  

Das hört sich doch super spannend an. Und wenn jetzt eine Zuhörerin oder ein Zuhörer sagt, boah, da möchte ich mich gerne mal erkundigen. Wo findet man euch denn?  

Man findet uns ganz zentral in der Gelsenkirchener City, in der A-Straße 9, zwischen Jobcenter und Aldi, sag ich immer, das kennt jeder in Gelsenkirchen, haben wir ein Ladenlokal mit sehr langen Öffnungszeiten und sehr, sehr bürgerorientierten Öffnungszeiten, wir haben von 10 bis 16 Uhr auf jeden Tag, um nach Vereinbarung natürlich auch, also für Berufstätige, die am Wochenende oder abends was machen wollen, sind wir natürlich auch da, nach Vereinbarung können wir auch gerne länger bleiben. Wir können Beratungsgespräche persönlich machen, per Zoom-Video-Call, per Telefon und haben da alle Möglichkeiten.

Klasse. Und wenn ich einfach nur mal eine E-Mail schicken will, das geht auch.  

Unbedingt.  

Cool. Super. Dann auf ins Ehrenamt.

Unbedingt. Schaut euch das an. Guckt mal, vielleicht ist die Gießkanne was, vielleicht aber auch was anderes.  

Ganz lieben Dank, dass du da warst, lieber Sebastian. Sehr gerne. Hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und ich hoffe, wir haben demnächst ganz viele neue Gießkannen-Heldinnen und Helden. Nicht nur in Gelsenkirchen, sondern im Ganzen. Ich freue mich drauf und vielen Dank.  

Sehr gerne.  

Tschüss.  

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