
Sonderfolge mit Özden Terli | Die Veränderung der Atmosphäre wird für alle wirken.
Im Studio sprechen wir mit Özden Terli (ZDF) darüber, wie man Klima so erklärt, dass es alle verstehen.
Es geht um Verantwortung in den Medien, um Desinformation und um die Frage, was Fakten für unseren Alltag bedeuten: von Hitzesommern in Städten bis zur Energiewende zu Hause und im Unternehmen.
„Physik gilt für alle.“
„Die Veränderung der Atmosphäre wird für alle wirken.“
Worum es konkret geht
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Gegenwind, voller Gegenwind von allen möglichen Seiten, weil man ja Wetter und Klima nicht zusammenbringen kann. Wir sind alle auch getrieben von der Realität da draußen. Also ich rede jetzt von der physikalischen Realität tatsächlich und nicht von irgendeiner anderen konstruierten gesellschaftlichen Realität wie auch immer, sondern tatsächlich von den Dingen, die da draußen in der Natur passieren.
Willkommen bei Voices for Future, dem Podcast für zukunftsfähiges Denken und Handeln. Mutige Stimmen, starke Haltung, echte Transformation, genau darum geht's hier. Mit unserem Omnibus, dem mobilen Podcast-Studio von Funke for Future, fahren wir zu Orten, an denen Nachhaltigkeit gestaltet wird. Wir sprechen Klartext mit Menschen, die Themen ins Rollen bringen. Denn dort, wo andere bremsen, geben wir erst recht Gas. Warum dieser Podcast? Weil uns etwas antreibt. mehr Nachhaltigkeit, mehr Miteinander, mehr Zukunft. Los geht's, rein in die neue Folge.
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Voices for Future, dem Podcast von Funke for Future. Und heute habe ich einen ganz besonderen Gast und ich bin super froh, dass er heute da ist, nämlich Özden Terli, den Wettermann vom ZDF. Herzlich willkommen, lieber Özden.
Vielen Dank, liebe Gundula. Was für eine Begrüßung.
Ich freue mich persönlich unglaublich, dass du heute hier bist.
Danke.
Ja, ich kenne dich seit dem Morgenmagazin irgendwann. Ich weiß gar nicht, wie lange du schon beim ZDF bist.
Okay, Morgenmagazin, da habe ich… 2013, 2014, 2014 habe ich das moderiert tatsächlich.
Ja, und seitdem bin ich großer Fan von dir.
Boah, Wahnsinn. Ja, danke, ich werde ganz rot, wenn man das sieht und meine Stimmlage ändert.
Nein, nein, alles gut. Ja, und in der Vorbereitung auf unseren heutigen Podcast habe ich nochmal ein bisschen recherchiert. Und ich habe herausbekommen, dass du schon mal Fernmeldeanlagen-Elektroniker warst und immer noch bist. Damit hast du deine berufliche Laufbahn angefangen und dann über die Meteorologie, Moderation. Wie kam es denn zu diesem Weg und was hat dich so angetrieben?
Also die Ausbildung war erst einmal irgendwie als junger Mann, sage ich mal, keine Ahnung von nix und irgendeine Ausbildung musste man machen. Ich kam von der Realschule, also ich habe nicht das Abitur gemacht und dann fiel mir das auf die Füße und damals war es auch nicht so einfach Ausbildungsplätze zu finden.
Genau, dann habe ich es abgeschlossen, habe gemerkt, das ist aber nicht alles im Leben. Also ich will mehr, ich will lernen, ich will wissen, wie die Welt funktioniert und so weiter. Also das war für mich sowieso schon ein innerer Trieb. Schon auf der Realschule war Physik für mich super interessant.
Wollte ich gerade fragen.
Schwerpunkt war Physik.
Mein Gott, ich habe das nach der Zehnten abgewählt.
Ja und Elektronik. Also die Realschule war ziemlich gut. Das ist die in Nippes, die Realschule in Köln. Und die hatte viele AGs auch. Also wir haben wirklich in viele Sachen reingeschaut. Dafür bin ich der Schule wirklich dankbar. Und das war ein guter Start. Und dann nach der Ausbildung habe ich im Prinzip, ja, wir lassen jetzt ein paar Stationen weg, Abitur irgendwann nachgeholt. Und dann, aber ich habe das Abitur angefangen, weil ich Meteorologie studieren wollte. Also das war tatsächlich der Antrieb, das Abitur zu machen. Dann habe ich in Philosophie reingeschnuppert, das war mein zweiter Leistungskurs. Der erste war natürlich…
Physik.
Ja.
Oh mein Gott.
Genau, Physik und Philosophie, weil ich dachte, ich würde total viel verstehen von der Welt anschließend. Das ist immer noch nicht der Fall. Aber ja, also ich meine, warum die Welt so ist, wie sie ist, das frage ich mich immer noch. Aber vielleicht ist es die Neugier, die wissenschaftliche Neugier, die mich immer weitergetrieben hat. Ja, und dann habe ich das Studium tatsächlich irgendwann abgeschlossen. Und beim Alfred-Wegener-Institut durfte ich ja die... Diplomarbeit machen. Das war wirklich, dafür bin ich heute noch sehr dankbar.
Das möchte ich mit nichts aufwiegen, was ich machen konnte oder durfte, weil das war wirklich fantastisch. Ich durfte an einem Gerät mitbauen, an einem LIDAR-Gerät, womit wir die Wolken vermessen haben. Dann haben wir das auf „Polarstern“, auf das Forschungsschiff gepackt und von Bremen, von Bremerhaven nach Südafrika sind wir da mitgefahren, haben die ganze Zeit gemessen, ohne zu wissen, funktioniert das Ding überhaupt oder nicht. Und dann hat es funktioniert und wir hatten gute Daten und die konnte ich auswerten und daraus konnte ich eine Diplomarbeit machen, aber wir haben noch viel mehr Daten gesammelt, die haben wir noch anders ausgewertet für Paper und so weiter.
Also das war schon wirklich wissenschaftliches Arbeiten auf höchstem Niveau und an vorderster Front und das für eine Diplomarbeit. Also die meisten auf dem Schiff waren eigentlich Doktoranden, die von den Jüngeren oder wirklich schon abgeschlossene Wissenschaftler, also die Wissenschaftler, die quasi schon geforscht haben und ich durfte da mitfahren und für eine Diplomarbeit was sammeln.
Und warum bist du dann nicht in einem Keller eines Meteorologischen Instituts geendet, sondern beim ZDF vor der Kamera?
Ja, das war ja vorher noch, ich war noch parallel bei ProSieben/Sat.1, bei Wetter.com angestellt. Also erstmal als studentische Hilfskraft und nachdem ich fertig war, durfte ich dann auch festangestellt dort arbeiten und zwar als Wetterredakteur. Und das habe ich jahrelang gemacht und auch dann irgendwann vor der Kamera gestanden und im Web dann Wetterberichte moderiert und selbst konzipiert. Ich durfte meine ganze Kreativität entfalten und das war wirklich cool.
Und dann kam das ZDF auf mich zu. Die haben das gesehen und meinten, komm mal vorbei, zeig doch mal, was du kannst. Und ich habe alles gegeben und irgendwie muss da was gepasst haben.
Ja, und seit 2013 oder 2014?
2013.
2013. Ja, guck mal, hast du dann deine Fanbase?
Ja, herzlichen Dank. Also ich kann damit ja immer schwer umgehen.
Ach was, ach was.
Naja, doch, also man geht ja ins Studio und nimmt etwas auf und hat deswegen Fans. Was habe ich denn jetzt Besonderes gemacht? Also das fragt man sich ja dann doch.
Ah, ich komme gleich nochmal drauf. Ich habe da noch eine Frage, aber die fahre ich mir für gleich auf.
Alles klar, soll ja spannend bleiben.
Genau. Ja und wie gesagt, du stehst schon lange vor der Kamera und du präsentierst ja nicht nur das Wetter, sondern du bringst ja auch schon mal das Thema Klima aufs Tableau. Was hat dich denn bewogen, das genau zu tun und quasi ein bisschen über den Rand hinauszugehen?
Die Verantwortung. Die Verantwortung, vor der Kamera zu stehen, vor Millionen von Menschen. Und nicht einfach über das Wetter zu reden, sondern auch die Hintergründe. Was passiert eigentlich jetzt? Und ich habe ja erst intensiver nach dem Pariser Abkommen damit angefangen. Also gut, 2014 war ich beim Morgenmagazin, kurz danach war das Pariser Abkommen. Eigentlich habe ich dann angefangen, meine Sendezeit dafür tatsächlich hauptsächlich zu verwenden. Ich war ja in der Zeit nicht so oft in den Sendungen der „Heute“ zum Beispiel zu sehen. Und da, wenn ich dran war, wollte ich dann halt auch das mit reinbringen, weil ich fand, das ist wichtig und hängt einfach zusammen. So ist es ja auch. Wir erleben ja die Klimafolgen mittlerweile jeden Tag, überall auf der Welt.
Und dass das eine so große Welle der Empörung bei den Klimaleugnern auslösen würde, hätte ich zum Beispiel nicht erwartet. Ich war regelrecht naiv, muss ich sagen, weil ich dachte, klar ist doch wissenschaftlich, ich zeige eine Temperaturkarte und rede, wie der letzte Monat war.
Aber dadurch, dass ich eben diese wenigen Sendungen hatte und dann da oft darauf eingegangen bin, war ich automatisch mit dieser Thematik verbunden. Und bin da reingeschlittert, muss ich sagen. Also ich meine, für mich wäre das absolut selbstverständlich gewesen, dass das jeder macht. Einfach jeder, weil es eben zusammengehört.
Und was ist dir so begegnet in der Zeit, wo du dann gesagt hast, ich gehe klarer mit dem Thema um?
Ja, Gegenwind, voller Gegenwind von allen möglichen Seiten, weil ... man ja Wetter und Klima nicht zusammenbringen kann angeblich. Also wissenschaftlich geht das überhaupt gar nicht. Und an der FU ist ein Großteil des Studiums Klimatologie, also als Meteorologe, das ist komplett hanebüchen.
Also das so trennen zu wollen, das kann nur motiviert sein aus einer anderen Ecke, ist aber nicht mal ein Problem, weil ich muss ja trotzdem meine Arbeit machen, dann journalistisch und auch wissenschaftlich korrekt.
Und davon lasse ich mich nicht abbringen, weil sonst können wir alles sein lassen. Wenn wir jetzt auf Partikularinteressen achten, dann können wir es sein lassen.
Genau, ich meine, wir als Medienhaus verstehen uns da auch als korrektiv. Nicht umsonst sagt unsere Verlegerin ja auch immer, wir sind die vierte Säule der Demokratie. Und deswegen ist uns auch immer wichtig, faktenbasiert, klar und wahrhaftig zu berichten. Und klar, auch unseren Redakteuren schlägt da einiges entgegen, gerade so im Osten der Republik. Und ich meine, bei euch am ZDF hat Dunja Hayali ja auch gesagt, sie zieht sich jetzt erstmal aus der Öffentlichkeit oder aus dem öffentlichen Diskurs zurück. Wie schützt man sich denn da, wenn einem sowas begegnet, emotional oder dass man seine Stimme aber trotzdem weiter behält? Hast du dir da so einen virtuellen Panzer zugelegt oder wie machst du das?
Virtueller Panzer ist gut. Also ich bin... Immer noch offensiv damit. Ich werde auf keinen Fall aufhören damit, weil, wie gesagt, das kann eigentlich gar nicht angehen.
Ich habe bei X, wo ich aber auch kaum noch aktiv bin, also ich mache nur noch Reposts. Das Medium ist mir eigentlich egal, weil es ist eigentlich so mittlerweile ein Moloch, muss man ja sagen. Und da habe ich die Kommentare vor zwei Jahren gesperrt und seitdem habe ich keine Auseinandersetzungen mehr mit vielen, die da massig sind, Bots ebenfalls. Die versuchen natürlich dann alles, was man da postet, kaputt zu machen. Es ist einfach kein Medium, wo man sich noch aufhalten kann.
Interessanterweise bei anderen Medien ist das nicht so stark ausgeprägt. Also ich bin auch auf Blue Sky und da kommen Diskussionen tatsächlich auf und da ist Wertschätzung, man redet tatsächlich miteinander, weil X war das sowieso nie ein Medium, wo man diskutieren konnte. Deswegen ist es auch überhaupt kein Problem, da die Kommentare zu sperren, weil es geht ja gar nicht um den Austausch.
Nee, nee, denen geht es ja einfach nur um Krawall zu machen.
Genau, Krawall. Und dann ist es halt auch die Frage, wie lange macht man das noch? Also ich war jetzt in letzter Zeit immer wieder kurz davor, das Ding einfach zuzumachen, aber auf der anderen Seite sehe ich auch die anderen Kollegen und Kolleginnen, viele sind ja nicht mehr da, aber vor allem die Wissenschaftler sind noch vertreten, die... Ich glaube, die denken, ja, wir sind die Letzten. Wenn wir jetzt gehen, dann erreichen wir sozusagen niemanden mehr hier. Weiß ich nicht. Ist echt schwierig. Ich habe das so oft überlegt, ob ich das sein lasse oder nicht.
Ja, ich sehe ja auch immer, was du auf LinkedIn machst und da teilst du ja auch immer sehr offensiv und klar, was Phase ist. Und ich meine, wer, wenn nicht wir, sollten gegen diese Schweigespirale, die da draußen ist, dann noch Haltung zeigen.
Ja, auch das wird so oder so gesehen. Also ich bekomme natürlich schon sehr viel Unterstützung auch. Also in der Realität, sage ich mal, nicht im Virtuellen, habe ich schon oft Menschen, die mir sagen, dass sie das gut finden, was ich mache.
Auch von Kollegen und Kolleginnen also auch in unserem Metier quasi und das, bestärkt mich natürlich schon da drin immer weiterzumachen und ja, und es ist natürlich auch so, dass man sich dann auch nicht so ohne weiteres unterkriegen lässt also vor allem, wenn man auch so eine breite Unterstützung hat dann denkt man sich auch okay, anscheinend ist es ja doch wichtig, was man da macht. Und man kann nicht damit aufhören, man steckt natürlich auch irgendwo drin wie alle. Also auch so ein Wissenschaftler kann auch nicht einfach aussteigen und sagen so, nee, ich habe jetzt keinen Bock mehr oder wie auch immer, sondern wir sind alle auch getrieben von der Realität da draußen.
Also ich rede jetzt von der physikalischen Realität tatsächlich und nicht von irgendeiner anderen konstruierten gesellschaftlichen Realität wie auch immer, sondern tatsächlich von den Dingen, die da draußen in der Natur passieren und ich glaube, das wird nicht so richtig gesehen werden.
Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir uns auch zu sehr von der Natur entfernt haben insgesamt und glauben, dass wir mit kulturellen Errungenschaften alles gelöst kriegen und so ist es einfach nicht.
Im Gegenteil, das was wir tun, die Kultur, die Technik, es gibt auch keine technische Lösung für das, was wir da angestellt haben, letztendlich. Das ist auch das Problem.
Die Technologie, die Kultur ist das Problem. Wobei ich nicht sage, dass wir das Problem sind. Wir könnten ja besser damit umgehen. Wir könnten die planetaren Grenzen besser einhalten und gucken, dass es vorwärts geht für uns alle. Es gäbe ja auch so etwas wie Klimagerechtigkeit, wenn wir tatsächlich Klimaschutz betreiben würden.
Und noch ein Satz. Klimaschutz ist letzten Endes Menschenrecht, hat der Europäische Gerichtshof.
Wollte ich gerade sagen, der internationale Gerichtshof.
Ja, genau.
Der hat es, ich glaube, im Oktober oder so gab es das Urteil.
Ja, war das diesen oder war das vorher? Weiß ich jetzt gar nicht mehr.
Aber es gibt dieses Urteil. Und es ist so, dass jeder Mensch sich darauf beziehen kann. Es ist dein Menschenrecht.
So ist es.
Es ist nichts, wofür du dich entschuldigen musst oder wofür wir uns entschuldigen müssen, weil wir darüber reden. Es ist einfach zu sehr, es gibt auch zu viele Menschen, die sind in der Defensive, anstatt offensiv sich breiteinig hinzustellen und zu sagen, nein, das ist so und wir müssen dafür kämpfen und das vermisse ich an vielen, vielen Stellen.
Ja, wir sehen es ja, wir nehmen diesen Podcast ja auf, während Zeit gleich die COP30 in Belém stattfindet und da sehen wir ja die junge Generation, die will ja und die demonstriert für ihre Rechte und ich glaube, gerade im globalen Süden wird das immer, die ja am meisten davon betroffen sind, wird das immer offensichtlicher, was passiert. Und umso trauriger ist es eigentlich, dass das Thema Klimagerechtigkeit im globalen Norden ja gar nicht ankommt.
15:18 Ja, weil ich denke, es sind ganz viele Organisationen, Lobbyinteressen, die wollen, das muss man vielleicht so sagen, die Welt brennen sehen. Also sie verkaufen nicht nur ihre Großmutter, sondern ihre Enkel und die Enkel-Enkel und viele Generationen in die Zukunft. 15:37
Es ist ja so, dass wir die Temperatur ja für tausende Gener…tausende Jahre, nicht Generationen, in die Zukunft verändern.
Das kann man glaube ich, aber der normalsterbliche Mensch kann sich das glaube ich gar nicht vorstellen, was das bedeutet.
Ja, aber da ist auch wiederum der Punkt, wir brauchen mehr Bildung. Also ich habe eine ganze Weile gehört, wir hätten ja schon alles gesagt und die Menschen wüssten alles. Das ist überhaupt nicht der Fall. Also ich begegne immer noch ganz vielen Menschen, die die Zusammenhänge nicht kennen und nicht wissen. Deswegen habe ich auch irgendwann gesagt, okay, dann machen wir halt nur noch Basics, erklären die Grundlagen, damit das verstanden wird. Viel komplexere Sachen braucht man gar nicht zu erklären.
Das ist jetzt überhaupt nicht überheblich gemeint oder so, aber irgendwo gibt es anscheinend im Bildungssystem ein Problem. Ich habe heute noch einen jungen Mann getroffen, der meinte, er hat Leistungskurs Geografie gehabt und hat aber dann in der Uni nochmal total viele Sachen gelernt, von denen er vorher gar nichts wusste.
Also das sind so Sachen zum Beispiel, stelle ich jetzt einfach mal zur Diskussion. Das ist einfach, was läuft da schief?
Müsste das Klima dann quasi als Bildung rund ums Thema Klima und Klimaveränderung, müsste das dann ein Schulfach werden?
Ich finde schon. Es müsste ein Schulfach sein. Man sagt ja, es ist ein Querschnittsthema. Das kann es ja auch sein. Es darf ja auch die anderen Bereiche berühren. *Hustet* Entschuldigung…
Aber... Ich denke, wir brauchen ein Thema, was sich ganz klar damit beschäftigt und nicht nur darauf bezieht, wie man die Temperatur stabilisiert, sondern auch die sozioökonomischen Zusammenhänge erklärt.
Was bedeutet das für die Menschen im globalen Süden, wie du es schon gesagt hast, aber auch bei uns? Ich meine, wie reden wir darüber? Wie kommunizieren wir darüber? Was sind Desinformationen? Das sind alles Punkte, die die Klimawissenschaftler und Meteorologen seit Jahrzehnten begleiten.
Das ist ja jetzt wirklich in der gesamten Breite der Gesellschaft angekommen, dass Desinformationen alles Mögliche kaputt machen. Aber wenn man so einen Michael Mann, Professor Michael Mann in den USA fragt, was er erlebt hat, als er die Hockeystick-Kurve vorgestellt hat und die Jahre und Jahrzehnte danach, also das hat ja gar nicht aufgehört mit den Desinformationen, die aus der fossilen Industrie kamen.
Also das ist jetzt keine Behauptung von mir oder irgendein Bashing, das ist einfach wissenschaftlich, historisch aufgearbeitet. Merchants of Doubt heißt das Buch, da kann man das nachlesen. Das ist ein Klassiker von 2012 oder 2013, so um den Dreh. Und es gibt auch neuere Bücher, wie zum Beispiel die Milliarden Lobby, ganz neu, zeigt auch, wie Lobbyinteressen eigentlich alles Mögliche kaputt machen.
Und letzten Endes betrifft es diese Menschen ja auch. Ich sage immer, Physik gilt für alle. Also wirklich, das ist absolut, da kann keiner kommen und sagen, nee, für mich nicht. Ach wirklich?
Genau.
Nee, gibt es nicht. Physik gilt für alle und auch die Veränderung der Atmosphäre wird für alle wirken. Selbst für die reichsten Menschen, die irgendwann, wenn man es jetzt immer weiter treibt in die Zukunft, wenn, sagen wir mal, die globale Weltwirtschaft im Prinzip, wenn sie kollabiert, weil einfach in bestimmten Bereichen Menschen nicht mehr leben können, dann trifft es auch diese Menschen. Dann ist irgendwie das Geld auf dem Konto nichts mehr wert. Also man... Man muss schon irgendwie die Gefahren sehen und benennen. Das ist auch keine Panikmache oder Angstmache. Das wird uns auch immer wieder vorgeworfen. Kompletter Unsinn.
Wenn wir nicht über die Gefahren reden, können wir die Gefahren nicht bekämpfen.
Also da sind natürlich auch wieder Lobbyinteressen. Diejenigen, die sagen, das ist Angstmache, die haben natürlich ein gewisses Interesse, sonst würden sie das nicht sagen.
Ja klar. Und ich finde das super, wie du das transparent machst. Du hast ja im Sommer irgendwann das ZDF-Studio in Flammen gesetzt. Im Rahmen der Waldbrände da in Spanien. Und ja, ich frage mich halt immer, das war ja sehr plakativ, fand ich auch super. Und das hat ja auch nachgeheilt, sonst würde ich mich ja nicht dran erinnern. Und wie kommuniziert man es, dass es jetzt nicht angstmachend ist oder belehrend? Weil oft heißt es, jetzt kommen wieder diese linksgrünen Versifften, die dann den Zeigefinger heben und sagen, du musst jetzt hier alles nur noch vegetarisch essen. Und wie siehst du die Aufgabe von uns als Medien oder den verschiedenen Medienarten, das Thema der Bevölkerung näher zu bringen, ohne sie zu verängstigen oder dann schon wieder in die Schublade gesteckt zu werden?
Ja, das mit dem Belehren, das habe ich nie verstanden. Also im Prinzip reden wir ja über diese Fakten. Also es sind gemessene Daten, es sind physikalische Zusammenhänge, es sind wissenschaftliche Ausarbeitungen. Wer etwas Besseres zu bieten hat als die Physik oder die wissenschaftlichen Zusammenhänge besser erklären kann als das, was wir als Wissenschaft haben, dann her damit. Dann kriegt derjenige bestimmt sofort einen Nobelpreis.
Gibt es aber bisher nicht. Also wir haben dieses wissenschaftliche System, was auch eben die Physik, ja die Physik auch erklärt. Die beste Physik, die wir jetzt haben, erklärt die Zusammenhänge genau so. Und die Zusammenhänge sind teilweise uralt.
Über 200 Jahre alt, zum Beispiel Joseph Fourier hat damals zum ersten Mal über den Treibhauseffekt geredet.
Das ist 200 Jahre alt?
Ja, 1824.
Okay, jetzt weiß ich, warum ich Physik nach der Zehnten...
Ja, und ähm…das sind also uralte Sachen. Und in dem Jahrhundert ist ganz viel in der Physik passiert, vieles beruht da drauf und danach natürlich auf den Erkenntnissen, die wir später hatten.
Also wenn irgendjemand besser ist als all diese Wissenschaftler, diese genialen Wissenschaftler, dann kommt alle her und zeigt es uns, was anders funktioniert. Aber solange das eben nicht der Fall ist, kann man das nicht ernst nehmen.
Und was heißt belehren? Also man muss diese Fakten ja dann aufzeigen. Belehren ist ja, das hat ja schon irgendeine Motivation dahinter. Also im Prinzip willst du mir irgendwas sagen, weil du mir irgendwas aufdrücken willst.
Das kann ja jeder selber entscheiden, ob das so ist, aber die Fakten müssen trotzdem kommuniziert werden und das geht ja noch viel härter, das sind ja ganz andere Vorwürfe, die man so hört, ja, aber…, ja…, schwierig, in erster Linie müssen die Fakten auf den Tisch, ja.
22:33 Was jetzt daraus journalistisch gemacht wird, das ist eine andere Frage. Was es aber definitiv nicht ist, also die Fakten zu präsentieren, Politik. Ist es definitiv nicht. Es ist nicht links, es ist nicht grün, denn die Physik gilt genauso für Rechtskonservative, wo auch immer im Spektrum, keine Ahnung, ich will mich da gar nicht festlegen, ich habe auch gar keine Lust, mich damit auseinanderzusetzen, weil das ist nicht politisiert. Es wird aber politisiert, es wird einem unterstellt. Und da mache ich nicht mit.
Und das finde ich gut.
Ja, auch wenn ich natürlich zusammen, auch wenn ich vieles kritisiere, was falsch läuft, schlage ich mich nicht auf eine Seite. Es gibt bestimmte politische Richtungen, die haben mehr verstanden als andere. Trotzdem bedeutet das nicht, dass ich auf der oder auf der oder auf der Seite bin. Sondern, ich möchte das alle an einem Strang ziehen, denn alle haben im Bundestag das Pariser Abkommen unterzeichnet. Und es kann mir keiner sagen, dass das irgendwie eine Aktion war, die kein…keine Folgen hat. 23:37
Jetzt haben wir zehn Jahre Pariser Abkommen. Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre steigt immer weiter. Die Temperatur steigt beschleunigt an.
1,5 Grad haben wir jetzt schon erreicht.
1,5 Grad hatten wir jetzt im vergangenen Jahr als Durchschnitt. Man sagt auch, wenn der Durchschnitt erst einmal überschritten ist für eine bestimmte Zeit, dann ist das der Anfang der 20-Jahres-Periode, also des Durchschnitts, des langjährigen Durchschnitts.
Das ist jetzt natürlich Ich jetzt auf, ja, wie soll ich sagen, ist jetzt auch nichts Verwunderliches, dass wir weiter die, dass wir die Temperaturgrenzen überschreiten werden, denn die Treibhausgase sind derartig hoch, wie sie seit über 800.000 Jahren nicht mehr sind.
800.000 Jahre, diese Zahl muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Den Menschen, den modernen Menschen, so wie wir sind, ja, den, quasi den wissenden Menschen, den gibt es seit etwa 300.000 Jahren. Also wir verändern auch noch für viele, viele Generationen in die Zukunft die Atmosphäre und wenn sie uns kennen würden, würden sie uns wahrscheinlich verfluchen, aber ich glaube, dass wir leider das alles so derartig verändern, dass vieles überhaupt nicht mehr funktionieren wird in der Zukunft.
Das befürchte ich auch. Und wenn man jetzt mal den Fokus legt zum Beispiel auf Unternehmen, weil Unternehmen haben ja viel Einfluss darin, wie viel Treibhausgase sie emittieren, in welchen Bereichen sie aktiv sind. Wie siehst du das? Die Unternehmen stehen unter Transformationsdruck, wirtschaftlicher Druck, Inflation. Sie müssen sich neu aufstellen. Gleichzeitig Energiekrise, dann kommt die ESG-Regulatorik.
Alle sagen, dieses Lieferkettengesetz ist furchtbar.
Menschenrechte, oh mein Gott, Menschenrechte in die Lieferketten.
Ja, wie siehst du die Kommunikation so als Medienmensch von Unternehmen rund um das Thema Klima? Viele verstummen ja jetzt auch gerade. Was würdest du in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen dir wünschen?
Weil die tragen ja auch einen Großteil zu den Emissionen bei.
Ja, also es gibt Unternehmen, die machen das super. Die richten sich schon daran aus, dass sie CO2 einsparen und versuchen wirklich mitzugehen. Das gibt es schon. Also es ist ja nicht so, dass nichts passiert. Also das wäre jetzt tatsächlich auch nicht richtig. Es passiert eine ganze Menge eigentlich in der Gesellschaft. Die Frage ist natürlich, reicht das aus, um die Vorgänge in der Natur quasi zu bremsen? Das reicht dann natürlich nicht aus. Da müssten wir, wie gesagt, alle an einem Strang ziehen, das tun wir eben nicht.
Einige Unternehmen…
Aber wenn keiner mehr was macht, hilft es ja auch nicht.
Nee, ganz genau. Aber deswegen meine ich ja, es gibt ja Unternehmen, die etwas tun. Und es gibt auch Menschen, die etwas tun. Was ja super ist zum Beispiel, ist dieses Balkon-Solar. Da kann sich jeder damit beschäftigen und mal sehen, wie viel Energie kann ich denn überhaupt so durch Panels und vielleicht durch einen Akkuspeicher, was kann ich denn da eigentlich überhaupt aufnehmen und verbrauchen? Da sieht man, dass so ein Wasserkocher zum Beispiel 1000 oder 2000 Watt hat. Das muss man erst einmal irgendwo parat haben, nur um einen Liter Wasser aufzuwärmen, was das bedeutet. Da kriegt man ein Gefühl dafür und wie das alles funktioniert.
Ich finde das toll, dass das möglich ist und da kann man so als Privatmensch auch was machen, aber die Unternehmen leben ja auch auf diesem Planeten.
Und die Menschen, die die Unternehmen führen, leben auch auf diesem Planeten. Genau. Und die haben auch Familie und Kinder. Deswegen, die, die was machen, schön und gut. Die nichts machen oder sogar noch dagegen arbeiten, müssen sich halt selber fragen.
Wie wird es in fünf Jahren?
Wie wird es in zehn Jahren sein?
Wie wird es in 20 Jahren sein?
Wir brauchen gar nicht die Jahrzehnte weit in die Zukunft zu sehen, sondern wir sehen ja jetzt schon eine beschleunigte Erwärmung. Und wie auch Extremwetterereignisse stattfinden, zerstören und töten. Und die Ahrtal-Katastrophe hat ja jeder im Blick. Aber auch vorher gab es schon massive Überflutungen, nicht nur in Deutschland.
Ja, ja, klar. Und das geht ja jetzt so weiter. Man muss ja nur mal in die Nachrichten schauen.
Genau. Und das wird auch nicht aufhören. Garantiert nicht aufhören, weil es ist, wie ich immer sage, Physik. Hast du ja abgewählt. *Lachen*
Ich glaube, ich muss noch mal einen Nachhilfekurs machen.
Oder du guckst einfach unsere Wettererklärung, da machen wir das ja. Da versuchen wir eben alles mögliche an Grundlagen zu erklären. Du hast eben das Studio, das brennende Studio. Da muss ich auch mal ein dickes Lob an die Kollegen aussprechen, weil ich bin auch immer wieder fasziniert. Ich stehe im Studio, das ist ja alles knallgrün, das ist ja eine Greenbox. Und dann drehe ich mich zur Seite, gucke auf den Monitor, wo ich quasi zu sehen bin. Und im Hintergrund brennt alles. Also man hat fast schon das Gefühl, gleich spüre ich die Hitze. Aber es ist natürlich alles virtuell. Aber es ist wirklich Wahnsinn, was man mit diesem Studio alles machen kann.
Und ja, wir nutzen das auch aus, um die Visualisierung solcher Zusammenhänge gut rüberzubringen.
Ja, das war wirklich sehr plakativ und nachhaltig, muss ich schon sagen.
Ja, ich glaube vorher oder nachher hatten wir auch das Studio unter Wasser gesetzt. Meine Frage war zum Beispiel auch, können wir das Wasser richtig steigen lassen?
Also das müssen wir nochmal gucken, ob das irgendwie funktioniert. Das haben wir schon mal überlegt, aber es ist tricky. Also es gehört schon, das alles ist wirklich nicht einfach. Manchmal dauert so ein Erklärraum auch mal eine Woche, weil wir darüber diskutieren, bis wir überhaupt den Text zusammen haben. Manchmal sind die Paper so komplex, dass wir uns überlegen, also die wissenschaftlichen Ausarbeitungen von den Instituten und so, da denken wir uns, was kann man denn jetzt davon nehmen?
Und was ist in der kurzen Zeit darstellbar? Nicht alles ist dafür geeignet, aber wenn wir was finden, dann hängen wir uns wirklich rein und versuchen den Text so zu vereinfachen. Manchmal gibt es mehrfach Gespräche mit dem Wissenschaftler. Der Wissenschaftler hat wiederum eine andere Idee, der meint dann, ja, aber meine Idee wäre ja eigentlich viel wichtiger. Der Fakt, den sollte man darstellen, aber dann sage ich wiederum, ja, aber der Fakt ist zu kompliziert.
Also es muss ja auch in kurzer Zeit zu erfassen sein.
Ja, genau. Es sind ja, wie viele Minuten hast du dann da?
Naja, also für so einen Erklärraum haben wir vielleicht 50 Sekunden. Und das ist ja auch, Fernsehen ist ja so, wir senden etwas aus und haben eine bestimmte Zeit. Und in dieser Zeit muss ja der Zuschauer in der Lage sein, das aufzunehmen und zu verarbeiten. Das ist ja quasi, daran misst sich ja das alles. Also man kann natürlich beliebig kompliziert werden, aber da muss die Sendezeit wachsen. Also dann müssen auch andere Elemente noch dazu und so weiter. Aber wenn es ganz kurz ist, dann ist das eben nur diese Grafik, auch wenn sie, sagen wir mal, super gut aussieht. Aber dann sind die Fakten natürlich auch zusammengeschrumpft.
Cool, cool. Muss ich wirklich sagen, beispielhaft.
Ja, danke. Ich gebe das gerne an die Kollegen weiter.
Mach das gerne. Vielleicht noch eine Frage rund um das Thema Alltag, so der Özen privat: Gibt es Sachen, die du persönlich verändert hast im Hinblick darauf, was in der Welt um uns herum passiert und ja, die du gesagt hast, das ändere ich damit, das auch einen richtigen Impact hat?
Also das ist, das was ich verändert habe, ist nur für mein Gewissen. Ich weiß auch, dass ich, eigentlich rede ich gar nicht so breit davon, weil ich weiß, dass die individuellen Entscheidungen klar dazu beitragen, aber eigentlich müssen die Rahmenbedingungen gesetzt werden und die Rahmenbedingungen müssen so sein, dass der Klimaschutz adäquat ist und maximal eben Emissionen reduziert, was wir eben leider nicht sehen. Das ist sogar eher das Gegenteil der Fall.
Ich bin mal leidenschaftlich Motorrad gefahren und habe dann das Motorrad verkauft und natürlich auch aus Sicherheitsgründen. Ich bin zehn Jahre gefahren und mir ist nichts passiert und dann war die Zeit gekommen, es zu verkaufen. Und aber auch, ich stand einmal an der Tankstelle und dann lief diese Suppe da rein in den Tank und ich dachte mir, warum machst du das eigentlich? Du weißt genau, dass das eigentlich Mist ist. Ist es das wert? Ja, also auch mit dem Lärm. Also ich glaube, ich würde wieder Motorrad fahren, wenn es ein gutes Elektromotorrad gäbe, was für meine Bedürfnisse passen würde.
Aber ich konnte das irgendwie nicht mehr mit mir vereinbaren. Das ist eine persönliche, individuelle Entscheidung. Ich sage jetzt nicht, dass jeder sein Motorrad verkaufen soll.
Jeder so, wie er möchte.
Ja, aber es gibt halt Rahmenbedingungen. Also natürlich können wir... Aber muss halt jeder entscheiden, für sich und für mich war die Entscheidung an dem Tag gefallen. Und ja, zum Beispiel, also da habe ich quasi ganz klar und ich fliege privat nicht mehr. Ich weiß nicht, ob ich das, natürlich kann sich das wieder ergeben, weil bestimmte Rahmenbedingungen da sind, dann muss man vielleicht mal fliegen. Aber ich bin jetzt schon wirklich sehr lange nicht mehr privat geflogen. Also es sind jetzt auch keine Ahnung, bestimmt acht oder neun Jahre vielleicht.
Echt?
Ja, also ich...
Keine Fernreisen und nichts?
Nee. Okay, fürs ZDF bin ich schon geflogen, aber das muss ich sagen, da überlege ich dann auch, muss ich das machen, ja, wenn ich zum Beispiel Berichterstattung mache von Spitzbergen aus, da kann ich halt nicht hinschwimmen und das war halt eine einmalige Gelegenheit und wir hatten eine wahnsinnige Reichweite an dem Tag auch, wir haben Millionen Zuschauer erreicht.
Und das konnte ich dann irgendwie auch rechtfertigen, dass wir das gemacht haben und das wurde mir übrigens auch mal vorgeworfen in den sozialen Medien und wenn man sich überlegt, wie viele Starts und Landungen an einem Tag, an einem Flughafen sind, dieser eine Flug, den wir gemacht haben, oh Mann, oh Mann, oh Mann. Also was man nicht alles auspackt, um den Menschen zu diskreditieren, der darüber redet. Das ist schon wirklich, da haben die echt viel Fantasie, diese Gruppen, diese Menschen. Die können sich wirklich viel einfallen lassen, aber nicht zum Erhalt der Lebensgrundlagen, sondern um vieles zu zerstören. Da haben sie viel Fantasie.
Destruktiv ist immer einfacher als konstruktiv.
Ja, genau. Also man kann... Also um etwas zu konstruieren, muss man schon ein bisschen mehr Hirnschmalz reinstecken, als einfach nur etwas abzulehnen und kaputt zu machen. Das geht sehr einfach.
Ja, deswegen lasst uns auf jeden Fall weitermachen. Vielleicht so zum Abschluss noch zwei Fragen an dich.
Wenn du ins Jahr 2030 blickst, ist ja nicht mehr so weit hin. Was müsste sich denn in der medialen und gesellschaftlichen Klimakommunikation verändert haben, damit du sagen kannst, wow, da hat sich was bewegt, es hat sich was verändert?
Also definitiv weiterhin Fakten unter die Menschen bringen und dabei ruhig Fantasie benutzen. Also ich will jetzt nicht sagen, dass keine Fantasie benutzt wird, aber ruhig noch mehr davon. Also auch Kunst, Kultur, Filme, Kino, all diese Bereiche sind viel zu wenig berührt. Also ich habe schon Theaterstücke gesehen, die sich damit beschäftigt haben, mit Klima zum Beispiel.
Das ist mir noch nie begegnet. Gibt es sowas?
Ja, gab es tatsächlich, in Koblenz war das ein, da ging es tatsächlich auch um einen Meteorologen und der sowas ähnliches macht wie ich und ich fand das total faszinierend, das mir nochmal anzuschauen. Ja, und es gibt auch Kunst, durchaus, aber in der Musik kommt es zum Beispiel gar nicht vor.
Stimmt.
Es gibt so viele Bereiche, ich meine, es tangiert ja die gesamte Gesellschaft, die gesamte Gesellschaft von ganz unten bis ganz oben in alle Bereiche. Aber nicht alle Bereiche beschäftigen sich damit. Aber wie kann das denn sein? Also wenn draußen die Temperatur nicht mehr stabil ist, unsere Lebensgrundlagen nicht mehr gesichert sind, dann ist doch auch die Kultur, die Kunst, die Demokratie gefährdet.
Richtig, richtig.
Also wieso? Also ich verstehe es nicht. Ich verstehe vieles nicht. Das ist eines der Gründe, was in der Gesellschaft passiert, die ich auch nicht verstehe.
Das bringt mich auf eine Idee. Das bringt mich auf eine Idee, aber darüber reden wir das nächste Mal. Meine Abschlussfrage, lieber Özden, ist, wenn du die Zukunft, an die du glaubst, in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde der lauten?
Also, wenn ich mir eine Zukunft wünschen dürfte, dann würde ich mir wünschen, dass Menschen in Utopien denken, in Visionen für die Zukunft. Eine Vision, wie eine Zukunft aussehen könnte, wo man in einer gesunden Umgebung leben kann.
Weil ich bin gerade über die Friedrichstraße gelaufen. Da muss man aufpassen, dass man nicht totgefahren wird. So schlimm ist diese Straße mittlerweile. Die war ja mal anders.
Ja, die war mal langsamer.
Genau. Das ist keine Utopie. Das ist wirklich Zerstörung des Lebensraumes.
Wenn wir in Utopien denken würden, würde ich eine Gesellschaft, eine Stadt mir vorstellen, die durchaus sehr grün ist.
37:31Warum? Nicht, weil ich linksgrün versifft bin, sondern weil grün schön ist. 37:35 Wo fahren wir denn hin, wenn wir uns erholen wollen, in den Wald? Warum holen wir uns den Wald nicht in die Stadt?
Genau.
Zum Beispiel. Und wo es eben keine Emissionen gibt, wo es keine fossilen Brennstoffe gibt, weil die gehören da eh nicht hin. Die gehören nicht zu der Gesellschaft, die gehören eigentlich nicht zu uns Menschen. Es ist etwas Künstliches, was zerstört. Und warum lassen wir uns das gefallen? Und ich habe viele solcher Fragen. Und die Zukunft wäre ein Miteinander in solchen Städten und es wäre auch klimagerecht, denn wir könnten...wir könnten auf der ganzen Welt solche Möglichkeiten haben.
Wir würden alles elektrifizieren, wir würden Strom fossilfrei gewinnen. Und das kann man überall. Und warum setzen sich denn Photovoltaik und Batterien weltweit durch? Weil es die billigste Art und Weise ist, Energie zu gewinnen. Und das ist etwas, was sehr positiv ist. Und mit der Zeit denke ich, dass die fossile Industrie daran zerbrechen wird.
Weil am Ende zählt ja doch das Geld. Also warum soll ich das Dreifache dafür ausgeben, wenn ich irgendwie für das Einfache viel sauberer und bequemer Strom gewinnen kann aus Photovoltaik?
So ist es und das ist doch ein super Schlusssatz. Ganz lieben Dank, dass du da warst, Özden. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Herzlichen Dank für die Einladung.
Gerne. Bis bald bei Voices For Future. Bis bald. Tschüss.
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