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#9 Rückbau statt Abriss. Kreisläufe, die unsere Zukunft bauen.

Wie Rückbau, Recycling und Urban Mining die Bauwirtschaft zirkulär machen.

SHOWNOTES

Dieses Mal im Essener Cozy-Studio: Wir sprechen mit Ludger Mintert, Geschäftsführer der Knepper Gruppe, darüber, wie Rückbau, Recycling und Wiederverwendung funktionieren – und warum in alten Gebäuden, Straßen und Brücken die Rohstoffe von morgen stecken.

Es geht um Urban Mining, Herausforderungen mit E-LKWs im Fuhrpark, das Bauen in schwer erreichbaren Gegenden – und die Frage, wie man eine traditionell risikoscheue Branche in Richtung Zirkularität bewegt.


Ergebnis: Kreisläufe statt Deponie – vom selektiven Rückbau über Kernsanie­rung bis zu Robotik bei Schadstoffen. Die Baubranche verursacht rund 40 % der CO₂-Emissionen – entsprechend groß ist ihr Hebel.

Ludger sagt:

„Die Rohstoffe der Zukunft liegen nicht im Boden. Sie stehen längst um uns herum.“

Was das konkret in der Praxis heißt:

Urban Mining: Bauteile retten und wiederverwenden – z. B. Klinker oder Gipsplatten in Standardformaten.

Materialpässe & Madaster: Gebäude digital erfassen, Stoffströme transparent machen – von Stahl bis Keramik.

Mindset-Shift auf der Baustelle: weg von „mach klein und mach schnell“, hin zu retten/ernten.

◍  Netzwerke & Regulierung: gemeinsam Kräfte bündeln, Nischen nutzen, Bürokratie pragmatisch bewältigen.

Seine Mission

Nachhaltiges Bauen heißt Verantwortung übernehmen: heute Entscheidungen treffen, damit die nächste Generation eine lebbare Zukunft vorfindet.

Seine Vision

Transparente Gebäude-Lebenszyklen und Anreizsysteme, die zirkuläre Lösungen bevorzugen.

Von Worten zu Wandel – mit FUNKE For Future

Wir machen komplexe Themen verständlich, schaffen Raum für Austausch und verwandeln Unsicherheit in Orientierung – damit aus Wissen Handeln wird.

Alle Infos zu unseren Angeboten (Academy-Formate, Tools, Veranstaltungen) findet ihr auf unserer Website funke-for-future.de.

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TRANSKRIPT

Wir machen nicht montags A und den Rest der Woche B. Also Montag ist der Nachhaltigkeitstag und den Rest der Woche machen wir ein normales Geschäft. Wir versuchen, die Sachen zu verzahnen. Wo es geht, versuchen wir auf nachhaltige Lösungen heute schon zu setzen. Das ist vom Fuhrpark über interne Projekte, Maßnahmen bis hin zum LKW.  

Willkommen bei Voices For Future, dem Podcast für zukunftsfähiges Denken und Handeln. Mutige Stimmen, starke Haltung, echte Transformation. Genau darum geht es hier. Mit unserem Omnibus, dem mobilen Podcast-Studio von Funke For Future, fahren wir zu Orten, an denen Nachhaltigkeit gestaltet wird. Wir sprechen Klartext mit Menschen, die Themen ins Rollen bringen. Denn dort, wo andere bremsen, geben wir erst recht Gas. Warum dieser Podcast? Weil uns etwas antreibt. Mehr Nachhaltigkeit, mehr Miteinander, mehr Zukunft. Los geht's, rein in die neue Folge.

Willkommen bei Voices For Future, dem Podcast von Funke For Future. Heute geht's um Kreisläufe, die Zukunft bauen. Denn die Rohstoffe der Zukunft liegen nicht im Boden. Nein, nein. Sie stehen längst um uns herum, in alten Gebäuden, Straßen und Brücken. Und in den letzten Jahren, in den letzten Jahren, in den letzten Jahren, Unser Gast heute weiß genau, was das heißt. Ludger Mintert ist Geschäftsführer der Knepper Gruppe, einem Unternehmen, das sich auf Rückbau, Recycling und Wiederverwendung spezialisiert hat. Kurz gesagt, dort wird nicht abgerissen, sondern neu gedacht. Herzlich willkommen, lieber Ludger.  

Vielen Dank, liebe Gundula.

Ja, Ludger, ich freue mich, dass du heute da bist. Und wir wollen ja heute darüber sprechen, wie Abrissarbeit ja auch einen Effekt auf Klimaschutz hat. Und warum jedes Gebäude eigentlich auch ein Rohstofflager ist und was passieren muss, damit Bauwirtschaft endlich zirkulär wird. Und wie ihr das bei Knepper macht, wie ihr auch die Leute mitnehmt und was das auch für eine Transformation ist. Und ich habe dich natürlich ein bisschen online gestalkt und ich kenne dich ja auch schon aus vergangenen Zeiten. Du hast ja einen mega Karriereweg hinter dir von Forschung und Produktentwicklung über globalen Einkauf bis hin zur Geschäftsführung. Und heute leitest du ein Unternehmen, was im Kern eigentlich Kreislaufwirtschaft richtig lebt. Und wenn du so zurückblickst, wie kam es zu diesem Wechsel vom Entwickeln neuer Produkte hin zum nachhaltigen Rückbau und Wiederverwerten von Ressourcen? Wie ist das vonstattengegangen?  

Ja, ich muss zugeben, mein Werdegang ist in der Tat sehr bunt und abwechslungsreich.

Ich habe Maschinenbau studiert, dann habe ich ein Aufbaustudium BWL gemacht, habe dann in der Fertigungsplanung gearbeitet, im Mobilfunkbereich, Telefone zusammengeschraubt, nicht persönlich, aber natürlich in unserer Fertigung.  

Ich war für die Konzepte zuständig. Dann habe ich viele, viele Jahre im Einkauf gearbeitet, im technischen Einkauf, im strategischen Einkauf und ich bin immer wieder in all diesen Stationen auf die gleichen Themen gestoßen.  

Was ist ein gutes Produkt? Was ist vielleicht ein schwaches Produkt? Was ist ein gutes Konzept? Wo sind vielleicht Schwächen in einem Konzept? Was ist ein gutes Team? Wie können Leute gut zusammenarbeiten? Was macht das aus?  

Ich habe Führungskräfte kennengelernt, sehr, sehr starke Führungskräfte.  

Ich hatte auch ein paar Vorgesetzte, da war ich nicht so begeistert. Aber man lernt auch von diesen Situationen und ich bin letztendlich so ein bisschen durch Zufall auch in diese Recyclingbranche gekommen. Es war dort eine interessante Aufgabe, beziehungsweise die Aufgabe hat sich in einem sehr, sehr guten Gespräch ergeben.

Und mein bunter Hintergrund, mein Lebenslauf passte eigentlich perfekt zu dieser Geschäftsführer-Position und zu dieser Verantwortung, weil ich jetzt heute tagtäglich alles Mögliche mit meinem Team beeinflussen kann, lenken kann, nach vorne bringen kann. Und wenn es dann noch ein sehr tolles Umfeld ist, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Klimaschutz, dann umso schöner, umso motivierter bin ich dann letztendlich in den Aufgaben. Und deshalb bin ich heute hier.  

Wenn ich jetzt mal so denke, die Baubranche an sich ist ja eigentlich einer der größten Emittenten von Emissionen und nicht so per se an sich nachhaltig. Was sind denn so, denkst du, die größten Herausforderungen, weg von diesem linearen, ich baue oder ich reise ab, hin zu zirkulären Wirtschaften in dieser doch ja sehr herausfordernden Branche?  

Ja, es ist in der Tat so, dass die Baubranche ungefähr 40 Prozent für den CO2-Ausstoß zuständig ist. Das ist der mit Abstand größte Kuchenanteil in einem Segment, den wir bei uns haben, weltweit würde ich sagen. Von daher kommt dieser Branche auch eine hohe Verantwortung zu in Bezug auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Die Baubranche hat in der Tat ein paar Herausforderungen. Der Bau ist relativ traditionell klassisch. Es geht dort um Sicherheit, um Statik. Es ist keine Branche, die sehr risikoaffin ist. Ganz im Gegenteil, eher risikoscheu. Traditionelles Denken, Sicherheit ist das Prio-1-Thema. Und in dieser Branche diese Transformation nach vorne zu treiben, das ist eine Herausforderung.  

Aber diese Branche bietet natürlich durch diese 40 Prozent enorm viel Potenzial. Also wenn man da was erreichen kann, dann hat das halt unheimlich positive Konsequenzen in vielen Bereichen. Und das ist es, was dieses Thema so spannend macht.  

Ja und bei Knepper seid ihr dann ja, ich will mal sagen, mit eurem Ansatz so ein bisschen der bunte Vogel in dieser grauen Branche, oder?  

Das ist zumindest das, was wir uns vornehmen, dass wir so ein bisschen mutiger und ein bisschen visionärer nach vorne gehen mit unseren Ansätzen und Konzepten. Man muss natürlich auch dazu sagen, wir bekommen auch vom Gesellschafter unseren Freiraum. Wir dürfen Sachen ausprobieren, wir dürfen mit Startups kooperieren.

Natürlich auch nur in den Bereichen, wo wir auch Potenzial sehen und wo wir was erhoffen.  

Aber vielleicht mal einfach so ein bisschen dargestellt, was wir so machen.  

Wenn wir dort ein altes Industriegebäude haben, dann gibt es zwei Konzepte. Konzept 1, das ist wirklich so marode, dass man da auch nichts mehr raus machen kann. Dann demontieren wir das, wir reißen das dann ab. Wir holen aber die Rohstoffe raus, wir trennen die und führen die dem Kreislauf zu. Wir haben aber auch andere Projekte.  

Wir hatten jetzt ein tolles Projekt in Wuppertal. Da haben wir ein sehr, sehr altes Bestandsgebäude kernsaniert, haben dort in sehr aufwendiger Arbeit die Materialien rausgeholt. Bei alten Objekten hat man häufig das Thema Asbest oder Schadstoffe. Klar, da haben wir Lösungen, da haben wir auch teilweise Robotik, die wir dort einsetzen, um das fachgerecht zu entsorgen. Dann hat man aber ein sehr klassisch tolles Objekt vor sich mit viel Historie und das ist einfach schön zu sehen, wenn man dieses Objekt erhalten kann und dann einer neuen Nutzung zuführen kann.  

Ihr seid ja jetzt kein Großunternehmen, sondern ihr seid ja ein Mittelständler. Oft höre ich dann gerade so aus dem Mittelstand, ach Nachhaltigkeit, dieses Thema, es ist ja nur ein Bürokratiemonster, was müssen wir da nicht alles machen und das kostet uns so viel Geld. Wie siehst du denn das im Sinne von, wie kann man da einen Wettbewerbsvorteil draus generieren? Also quasi so eine Empfehlung von einem Mittelständler für einen Mittelständler. Und wie nimmst du die Leute dabei mit?

Das ist eine sehr gute Frage. Das Thema Nachhaltigkeit ist für unsere Kunden natürlich sehr, sehr wichtig. Für uns als Unternehmen, wir sind ein Recyclingunternehmen, wir sind ein Unternehmen in der Nachhaltigkeitsbranche, ist das Thema auch sehr, sehr wichtig. Wir haben im Endeffekt zwei Stränge, wo wir aktiv sind.  

Einmal der Strang, welche Lösungen bieten wir unserem Kunden an? Das sind Beispiele, die ich vorhin genannt habe. Objekte, die demontiert oder verwendet. Und wiederverwertet werden mit interessanten Konzepten.  

Der andere Ansatz ist, was macht denn Knepper intern? Das sind auch Fragen, die mehr und mehr von unseren Kunden kommen. Und ich sage immer zu meinen Leuten, wir machen nicht montags A und den Rest der Woche B. Also Montag ist der Nachhaltigkeitstag und den Rest der Woche machen wir normales Geschäft. Wir versuchen, die Sachen zu verzahnen.  

Wir versuchen bei allen Maßnahmen, wenn wir einen neuen LKW kaufen, zu prüfen, kann das ein E-LKW sein? Wo soll der LKW eingesetzt werden? Was für Touren fahren wir? Haben wir eventuell, wenn dieser LKW in die Fußgängerzone fährt, wo Leute im Café sitzen, einen Riesenvorteil, wenn das ein E-LKW ist und wenn wir dann die Strecken auch noch schaffen, emissionsfrei, geräuschfrei, geräuscharm, hätte ich fast gesagt, geräuschfrei. Okay, das sind Themen, wo wir von Kunden sehr, sehr positives Feedback bekommen, dass diese Ansätze auf Wohlwollen stoßen und da sind das für uns, ist das dann Rückenwind, wo wir sagen, toll, wir sind auf dem richtigen Weg.  

Wir haben aber auch, muss man ganz offen sagen, eine Riesenherausforderung, wenn wir eine Baustelle haben im Niemandsland. Dort soll mit einem Bagger jetzt in einem 24-Stunden-Schichtbetrieb eine enorme Leistung erfolgen. Da kommen wir mit dem E-Bagger nicht weiter. Da ist kein Trafo, da ist kein Stromanschluss. Da kommen wir dann an unsere Grenzen aktuell noch weiter.

Es gibt Veränderungen, es gibt Bewegungen auch in anderen Bereichen, E-Mobility und Co. Und da werden auch irgendwann Lösungen kommen. Aber wo es geht, versuchen wir auf nachhaltige Lösungen heute schon zu setzen. Das ist vom Fuhrpark über interne Projekte, Maßnahmen bis hin zum LKW, bis hin irgendwann auch. Heute gibt es Hybridbagger, demnächst gibt es wahrscheinlich reine Elektrobagger. Und wir versuchen immer am Puls der Zeit zu sein. Das eine Thema ist ja natürlich Mobilität. Das andere ist das, was ihr aus den alten Gebäuden rausholt.

Und da habe ich mich jetzt ganz neugierig, gibt es da schon modulare Systeme? Was macht ihr dann mit dem Zeug, was ihr da rausholt? Baut ihr das wieder auf? Wie funktioniert das? Da sind wir auch angesprochen worden und haben wir kürzlich auch interessante Partnerschaften geknüpft. Warum? Weil letztendlich wir heute Gebäude haben, die vor 30, 40, 50 Jahren noch gar nicht vor dem Hintergrund nachhaltig und modular gedacht und auch konzipiert wurden.  

Diesen Gebäuden kann man diesen Vorwurf von den Architekten auch nicht machen, aber diese Architekten kommen heute auf uns zu, die sagen Firma Knepper, ihr recycelt doch diese Produkte, ihr sammelt doch Erfahrungen, ihr merkt beim Trennen dieser Produkte, was lässt sich gut trennen, Stichwort Verschraubung, was lässt sich nicht so gut trennen, Stichwort Verklebung, Vernietung.  

Welche Tipps könnt ihr uns geben, sodass wir eure Learnings in das Produktdesign einbauen. Von daher werden die Gebäude der Zukunft heute und auch in Zukunft anders gedacht werden. Aus unserer Sicht mit dem starken Wunsch, bitte denkt an das Recycling, denkt an die Kreislaufketten, denkt an die Wiedertrennung dieser Materialien. Und wenn man diese Materialien später sauber wieder wunderbar zerlegen kann, Stahl, Kupfer sind wunderbare Beispiele, die kann man tausendfach immer wieder neu einschmelzen und zu hochwertigen neuen Produkten weiterverarbeiten.

Das sind die Ansätze, wo wir jetzt mit diesen Partnern in die Gespräche gehen, um dann nach und nach die Konzepte für die Zukunft zukunftsfähig zu machen.  

Und wie spielt das Thema Regulatorik da jetzt rein? Jetzt bin ich nicht so tief in der Baubranche drin, dass ich es wüsste. Gibt es da Vorgaben oder Gesetze, die ihr da zu berücksichtigen habt? Oder kommt es tatsächlich auch oft so, die Idee kommt auf der Baustelle?  

Bezüglich Regulatorik sind wir natürlich in Deutschland auch nicht in einem Vakuum oder unter einer Blase, die anders agieren kann wie der Markt. Wir sind der Regulatorik ausgesetzt. Wir müssen mit der Regulatorik konform auch arbeiten. Die ist in Deutschland hoch und schwierig. Die ist bürokratisch. Die ist zwischen den Ländern und dem Bund teilweise auch noch unterschiedlich. Teilweise sind dort auch Konflikte, also ein Dschungel an Anforderungen, die uns das Leben nicht leicht machen. Wir versuchen mit den Möglichkeiten, die wir sehen, in Nischen reinzugehen, über diese Partnerschaften, mit denen wir auf Netzwerktreffen gehen, wo wir Konzepte vorstellen, wo wir versuchen, gemeinsam Kräfte zu bündeln, auch ein bisschen Lobbyarbeit zu betreiben mit diesen Partnern.  

Madaster (Madaster Germany Madaster: the cadastre for materials and products) ist ein Beispiel, wo jetzt mehr und mehr Momentum reinkommt.  

Was ist das genau?  

Madaster ist eine Plattform, die so eine Art Gebäudepass dort verlangt, wo man sagt, man kann dort, wenn man neu baut, zu den Materialien die Materialpässe hinterlegen. Und wenn man jetzt in 20 Jahren dieses Gebäude abreißt und man hat dieses Gebäude digital und per Madaster erfasst, dann weiß man genau, da sind so und so viele Tonnen Stahl drin, da sind so und so viele Tonnen Kupfer drin, so und so viel Holz, so und so viel Keramik und weiß dann, was könnte man mit diesen Materialien machen und im Idealfall weiß man sogar auch noch, wie die miteinander verbunden sind.  

Also das sind für uns Ansätze, wo wir sagen, mit diesen Kooperationen, mit diesen Ansätzen versuchen wir das Thema nach und nach zu bearbeiten und nach vorne zu bringen.  

Das ist ja schon eine große Innovation, ein großer Schritt, dass es sowas heute schon gibt. Gibt es denn noch andere Ansätze, wenn ich jetzt das ganze Thema Recycling mal betrachte, was man denn vielleicht sonst noch alles machen könnte? Es ist ja schön, dass ich weiß, da steht was und in 40 Jahren, wenn ich das Gebäude wieder abreiße, weiß ich, wie viele Kloschüsseln da noch drin waren, um quasi ein bisschen flapsig das zu sagen. Gibt es denn noch etwas, was man mit dem heutigen Altbaubestand schon machen kann?  

Ja, es gibt dieses Schlagwort, was sehr, sehr aktuell und populär zurzeit ist, Urban Mining. Also ich habe quasi, das Thema Mining ist natürlich bekannt, Rohstoffe aus dem Boden zu gewinnen. Urban Mining, da bezieht man das auf die Innenstadt. In der Innenstadt habe ich Gebäude mit Wertstoffen und die Frage ist, wie bekomme ich diese Wertstoffe aus diesem Gebäude wieder heraus. Da gibt es in der Vergangenheit ein klassisches Konzept. Ich habe mineralische Baustoffe, das sind Steine, Keramik. Die kann ich brechen, die zerkleinere ich. Je nach Körnung habe ich dann Brechsand oder Recycling-Schotter, den wir dann über Gütererwachung dann auch qualifiziert wieder aufbereiten. Den kann ich in den Straßenbau einsetzen. Das wird heute schon sehr, sehr viel gemacht. Das ist das klassische Recycling von Materialien.

Ein neuerer Trend ist, dass man sagt, könnte ich denn einen Schritt vorher anfangen? Könnte ich eventuell dieses Produkt, diesen Stein, nehmen wir mal den Backstein, den Klinkerstein vom Gebäude, wenn das Haus noch gut erhalten ist, der Klinker ist noch gut erhalten, könnte ich diesen Klinkerstein nicht in den Brecher werfen, sodass er zerkleinert wird? Könnte ich diesen Klinkerstein im Ganzen wiederverwenden? Könnte ich aus diesem Klinkerstein eine neue Stadtmauer bauen? Könnte ich diesen Klinkerstein für andere Tätigkeiten wiederverwenden, wenn der geometrisch und auch von der Beschaffenheit noch in Ordnung ist?

Aber dann muss es ja auch schon beim Abbruch so sein, dass man ihn nicht kaputt macht.  

Ganz genau.  

Und das ist die Herausforderung. Wir haben teilweise auch intern mit Change-Management-Herausforderungen zu tun, weil der klassische Mitarbeiter auf der Baustelle natürlich sagt, mein Job ist es hier, das Ganze möglichst schnell zu machen, mach klein und mach schnell. Und die Herausforderung ist dann, die Leute mitzunehmen und zu sagen, wir versuchen jetzt schnell zu machen, aber wir wollen diese Stoffe retten. Ernten sagt man teilweise auch.  

Wir haben aus einigen Gebäuden Gipsplatten komplett rausgeschnitten in einem Standardformat, um diese Gipsplatten dann in einem Neubau oder in einem anderen Gebäude wieder einzusetzen. Das hat auch teilweise ganz gut funktioniert und vor allem, was funktioniert hat, ist, die Leute mitzunehmen. Erst war das Feedback, kam starkes Push Back, nee, das lohnt doch alles nicht, das dauert zu lange, wir sind unter Zeitdruck. Aber als sie dann erstmal angefangen sind und gemerkt haben, wir haben ein ganz gutes Konzept, es funktioniert, ist dann auch die Akzeptanz da und dann kann man diese Leute auch mitnehmen und dann kann man diese Themen und diese Projekte auch nach vorne treiben, sodass wir dann aus diesen Baustellen auch Bauteile gewinnen.  

Und diese Bauteile und je größer die Baustelle, desto standardisierter hoffentlich die Bauteile und wenn wir riesige Fassaden haben, dann macht das richtig Spaß, dann aus diesen Werkstoffen und Produkten wieder was Neues zu machen und da gibt es teilweise jetzt schon Second-Hand-Märkte, wir haben Start-Up-Unternehmen, die dann mit diesen Baustoffen arbeiten.

Und ein Trend, der uns da so ein bisschen in die Karten spielt, ist dieses Thema Retro-Design oder auch Urban-Chic, dass man so Cafés wieder hat, wo Second-Hand-Möbel aufbereitet, sehr, sehr hochwertig, ein altes Ledersofa, ein alter, cooler Retro-Stuhl und die kommen teilweise dann auch aus diesen Urban-Mining-Projekten.  

Okay und mit diesen Start-Ups habt ihr dann Kollaborationen oder habt ihr quasi so ein Netzwerk, mit dem ihr das dann macht oder wie muss ich mir das vorstellen?  

Beides würde ich sagen. Es gibt Kooperationen mit diesen Start-ups, dass wir schauen, wir haben ein großes Interesse, diese Produkte einer neuen Nutzung zuzuführen. Das Start-up hat das Interesse, diese Produkte zu bekommen, hat das Interesse von Knepper zu wissen, wo habt ihr eine große Baustelle, wo eventuell dieses Potenzial drinsteckt. Nicht jede Baustelle bietet sich an und da haben wir in der Vergangenheit und werden wir auch in der Zukunft dieses Thema weiter nach vorne treiben. Und da versuchen wir, das ist zumindest unser Anspruch, so eine Art Pionier zu sein, um zu zeigen, was möglich ist und um auch ein bisschen in die Vorleistung gehen und ein bisschen ins Risiko zu gehen, um diesen Markt letztendlich zu bearbeiten.  

Und hört die Politik euch zu?

Die Politik hört uns hoffentlich zu. Dafür sind wir zu klein mit unseren 300 Mitarbeitern. Da geht es dann über Netzwerkveranstaltungen, über Partnerschaften, Kräftebündeln, dass man einfach schaut, gibt es irgendwo mal einen interessanten Fachvortrag. Wir waren jetzt auf der Expo Real nicht mit einem Vortrag, aber es gab dazu einen Zeitungsartikel. Wir führen dann Fachgespräche, wir schauen, dass wir mit Partnern kooperieren, die vielleicht auch etwas größer sind, die den Ansatz sehr, sehr wohlwollend auch hinnehmen und sagen, klasse, da unterstützen wir, da machen wir mit.

Das sind dann so Möglichkeiten, die wir sehen und die wir auch nutzen.  

Cool, das hört sich unglaublich umtriebig an. Auch aus so alten Bestandsgebäuden was richtig Cooles, Neues zu machen. Jetzt sind wir schon fast am Ende unserer kurzen Reise in die Baubranche und ins Recycling. Ich habe noch zwei Fragen an dich, Ludger.

Sehr gerne.  

Fast Forward ins Jahr 2050. Wie sieht denn da für dich der ideale Gebäudebestand in Deutschland aus? Ressourcen schon, zirkulär und lebenswert oder wie stellst du dir das dann vor?

Idealerweise hätten wir dann in der Zukunft Transparenz. Was bedeutet Transparenz? Für mich ist Transparenz, wir kennen es heute von unserem Smartphone. Ich fahre in einem Restaurant vorbei. Ich sehe, das Restaurant hat A geöffnet, B hat eine tolle Bewertung. Bei TripAdvisor hat folgendes Menü, folgende Cuisine, hat tolle Benutzerbewertungen. Man sieht vielleicht sogar noch die Preise, man sieht eventuell, was special heute auf der Karte ist und ich entscheide dann spontan, gehe ich rein oder fahre ich weiter, weil es wird mir schon das zweite Restaurant ein paar Meter weiter angezeigt.  

Wenn dies mit den Datenkonformität und Ähnliches einhergeht, wäre das natürlich ideal, wenn eine gewisse Gruppe in Zukunft an einer Straße entlangfährt und sieht ganz genau, was ist in diesem Gebäude drin, wie alt ist das Gebäude, wie viel CO2 oder was ist der CO2-Fußabdruck dieses Gebäudes, was ist der geplante Lebenszyklus dieses Gebäudes. Es gibt heute schon Konzepte, wo man sagt, wir lassen das Gebäude stehen, wir ändern nur die Fassade. Durch neue technologische Möglichkeiten bekommt man neue Dämmwerte, bekommt man neue Isolationsmöglichkeiten und, und, und, und, und. Also das wäre für mich die Vision der Zukunft. Transparenz.  

Und natürlich das Thema Nachhaltigkeit dann auch letztendlich zu belohnen. Ich komme immer dann von der positiven Seite, nicht andere Sachen zu bestrafen, sondern das Thema Nachhaltigkeit zu belohnen, wenn einer bereit war, in seinem Gebäude mit gewissen Maßnahmen das Thema Umwelt ganz nach oben zu setzen. Heute ist das häufig noch mit einem kleinen Preis verbunden. Ich hoffe, in Zukunft ist es genau andersrum, dass man sagt, diese grünen Lösungen sind die preislich attraktivsten und die nicht so grünen Lösungen, da muss man dann eine Penalty bezahlen oder da bekommt man dann letztendlich auch vielleicht keinen Kostenvorteil. Weil das wäre so meine Vision der Zukunft, sodass wir dann auch unseren Kindern nicht nur die Transparenz, sondern wirklich auch durchdachte, tolle Konzepte übergeben können, dass die dann auch die Möglichkeit einer lebenswerten Zukunft haben.  

Super Schlusswort. Eine letzte Frage. Wenn du die Zukunft, an die du glaubst, in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde der lauten?

Die Zukunft in einem Satz. Nachhaltiges Bauen bedeutet für mich persönlich, Verantwortung zu übernehmen, für mich, aber auch für unsere Umwelt, für unsere nächste Generation, um in dem Thema Bau einen ganz wesentlichen Beitrag für die Umwelt zu leisten, sodass wir unseren nächsten Generationen, unseren Kindern, unseren nächsten Generationen eine absolut lebenswerte Zukunft gestalten können.  

Toll, super Schlusswort.  

Ich danke dir, liebe Gundula.  

Danke, lieber Ludger, dass du heute da warst.  

Es hat Spaß gemacht.  

Es hat mir auch super viel Spaß gemacht für diesen tollen Austausch und für diesen kleinen Sneak Peek in eine Branche, in der Nachhaltigkeit begehbar wird hoffentlich, wo Gebäude zurückgebaut, Materialien gesichert und Ressourcen neu gedacht werden. Zirkularität im Bau zeigt, dass Veränderung ganz praktisch beginnt In Planung, in Prozessen und in der Haltung Bestehendes als Teil der Zukunft zu begreifen.  

Genau hier setzt unsere Funke For Future Academy an. Sie unterstützt Unternehmen und Entscheider*innen dabei, nachhaltige Transformationen Schritt für Schritt umzusetzen, mit Wissen, das Orientierung gibt und Praxis, die Wirkung zeigt.  

Alle Infos dazu findet ihr in den Shownotes.

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