
Barbara Meier über Fair statt Fast Fashion, Arbeitsrechte – und was wir mit Käufen bewirken.
Diese Folge haben wir beim 20. Geburtstag der myself in München aufgezeichnet – hoch oben im Riesenrad.
Wir sprachen mit Barbara Meier (Schauspielerin, Mode-Expertin, langjährige Botschafterin für nachhaltige Textilien beim BMZ) darüber, wie nachhaltige Mode konkret gelingt: von Materialien und Chemikalien über Arbeitsrechte bis zu zeitlosen Designs, die länger geliebt werden.
Gerade in vielen Ländern, wo diese Superfast-Fashion produziert wird, wenn man da an Frauenrechte denkt, das ist halt eine Katastrophe. Weil wir denken immer, es gibt keine Sklaverei mehr. Aber die gibt es da schon. Da werden die Ausgänge versperrt, die werden mit Eisenstangen geschlagen teilweise. Also es sind natürlich die Extrembeispiele. Aber auch der Durchschnitt da von den Arbeitsbedingungen ist eine Katastrophe.
Worum es geht:
◍ Was „Sustainable Fashion“ bedeutet: Materialwahl, Färbeprozesse, Leder-Chemikalien, faire Arbeit – und warum Abwasser, Gesundheit und Löhne immer mitgedacht werden müssen.
◍ Arbeitsrechte in der Lieferkette: Super-Fast-Fashion, lange Schichten, verschlossene Ausgänge – warum Wegsehen keine Option ist.
◍ Schritt für Schritt statt Perfektionsdruck: Erste Schritte umstellen, Stück für Stück steigern – Hauptsache anfangen.
◍ Das Dirndl-Projekt: Zertifizierte Komponenten, langlebiges Design, kein „Ein-Jahres-Trend“ – Nachhaltigkeit beginnt bei der Zeitlosigkeit.
◍ Shein/Temu & Co.: Gesetzeslücken, Berge von Paketen und der Appell, den eigenen Klick bewusster zu setzen.
◍ Politik, Wirtschaft, Konsum: Wer trägt welche Verantwortung – und warum lokale/transparentere Produktion wieder an Bedeutung gewinnt.
Von Worten zu Wandel – mit FUNKE For Future
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Gerade in vielen Ländern, wo diese Superfast Fashion produziert wird, wenn man da an Frauenrechte denkt, das ist halt eine Katastrophe, weil wir denken immer, es gibt keine Sklaverei mehr, aber die gibt es da schon. Da werden die Ausgänge versperrt, die werden mit Eisenstangen geschlagen teilweise. Also es sind natürlich die Extrembeispiele, aber auch der Durchschnitt da von den Arbeitsbedingungen ist eine Katastrophe.
Willkommen bei Voices For Future, dem Podcast für zukunftsfähiges Denken und Handeln. Mutige Stimmen, starke Haltung, echte Transformation – genau darum geht's hier. Mit unserem Omnibus, dem mobilen Podcast-Studio von Funke for Future, fahren wir zu Orten, an denen Nachhaltigkeit gestaltet wird. Wir sprechen Klartext mit Menschen, die Themen ins Rollen bringen. Denn dort, wo andere bremsen, geben wir erst recht Gas.
Warum dieser Podcast? Weil uns etwas antreibt. Mehr Nachhaltigkeit, mehr Miteinander, mehr Zukunft.
Los geht's, rein in die neue Folge.
Heute melden wir uns mit einer besonderen Folge direkt vom 20. Geburtstag der Myself in München. Hoch oben im Riesenrad mit Blick über die Stadt und in die Zukunft. Unser heutiger Gast ist Barbara Mayer, Schauspielerin, Modeexpertin und langjährige Botschafterin für nachhaltige Textilien beim Bundesentwicklungsministerium. Herzlich willkommen, liebe Barbara.
Dankeschön, schön, dass ich da sein darf.
Toll, dass du da bist. Das Thema unseres heutigen Podcasts soll sein Sustainable Fashion, also darüber, wie sich Verantwortung, Konsum und Wandel in der Modebranche zusammenbringen lassen, was sich bisher wirklich bewegt hat, da bin ich schon ganz gespannt, und was wir alle tun können, um Kleidung wieder nachhaltiger wertzuschätzen. Sag mal Barbara, wir sind jetzt hier beim 20. Geburtstag der Myself in München und du bist ja auch Testimonial für Angermeier und hast da ein eigenes Dirndl entworfen. Was bedeutet denn Mode für dich ganz persönlich?
Ja, das hat sich für mich schon sehr gewandelt, weil ich jetzt natürlich seit einigen Jahren schon Botschafterin bin für nachhaltige Mode. Jetzt ist das natürlich für mich ein Fokus. Und ich habe nicht nur nachhaltige Sachen in meinem Schrank. Ich habe gesagt, ich möchte erst mal mit 20 Prozent oder so anfangen. Das habe ich mittlerweile ganz gut geschafft und dann steigere ich mich. Aber ich will ja auch nicht so viel Neues kaufen. Also ich habe ganz viele alte Sachen noch in meinem Schrank. Das spielt, wenn ich mir was kaufe, eine große Rolle. Aber Mode ist einfach auch so viel mehr. Das ist einfach ein Ausdruck von unserer Persönlichkeit. Und ich glaube, gerade wir Frauen benutzen das, weil es heißt immer so, wenn eine Frau vor dem Schrank steht und sagt, ich habe nichts zu anziehen.
Oh ja, das kenne ich.
Aber das heißt ja nicht, sie hat keine Kleidung, sondern das heißt, sie hat nichts, was ihre Stimmung gerade widerspiegelt. Und ähm…es gibt einfach ganz viele Menschen, die drücken ihre Stimmung, ihre Laune gerade mit Mode aus. Es ist gar nichts Oberflächliches, sondern eigentlich was ganz Tiefgehendes.
Also zum Beispiel mag ich deswegen Tracht so gern beim Oktoberfest, weil einfach alle so ein bisschen gleich sind. Da sitzt dann nicht jemand im Anzug neben dem anderen, der eine Jeans anhat und der eine vielleicht was Günstiges, der andere was Teures, sondern das schafft so ein Gemeinschaftsgefühl und das ist eben Mode. Mode kann so viel. Und deswegen ist es einfach ein ganz schönes Thema, aber leider eben halt in der Produktion kein schönes, sondern einfach eine sehr schmutzige Industrie.
Ja, das stimmt. Und du hast es ja so ein bisschen anklingen lassen.
Es ist eine Industrie, die auch viel in den Lieferketten Herausforderungen hat. Und was bedeutet dann für dich Sustainable Fashion an sich?
Das ist jetzt kein Begriff, der so ganz klar definiert ist. Also wenn man von nachhaltiger Mode spricht, das ist zum einen die Materialien natürlich. Es gibt so ganz viele Themen, zum Beispiel wenn wir aus Trendfarbe Pink haben, dann sind in Indien die Flüsse Pink. Und das bedeutet nicht, das sieht schön aus, wenn ein pinker Fluss da fließt, sondern das ist für viele Tiere, für viele Menschen einfach so die Grundlage des Lebens, dieses Wasser, was da durchgeht. Und das ist nicht nur die Farbe, das sind auch ganz viele Chemikalien und so. Also da spricht man natürlich drüber, wie wird das produziert. Dann in der Lederproduktion werden so viele giftige Stoffe verwendet, dass die Menschen da teilweise nicht älter werden als, ich glaube, 25 oder 30. Einfach diese ganzen, welches Material benutze ich, wie wird es verarbeitet, welche Farbe wird benutzt, das ist nachhaltige Mode. Aber auch, wie sind die Arbeitsbedingungen? Also kommen da kleine Kinder zum Einsatz, die Pailletten festnähen, weil es einfach mit kleinen Händen leichter zu nähen ist, ja.
Gerade in vielen Ländern, wo diese Superfast-Fashion produziert wird, wenn man da an Frauenrechte denkt, das ist halt eine Katastrophe. Weil wir denken immer, es gibt keine Sklaverei mehr. Aber die gibt es da schon. Da werden die Ausgänge versperrt, die werden mit Eisenstangen geschlagen teilweise. Also es sind natürlich die Extrembeispiele. Aber auch der Durchschnitt da von den Arbeitsbedingungen ist eine Katastrophe. Und die Frauen arbeiten 12, 14 Stunden und müssen dann noch eine Stunde nach Hause fahren und haben gerade mal so einen Lohn, von dem sie sich das Leben nicht mal richtig leisten können. Also das ist wirklich eine Katastrophe und das alles ist natürlich dann Fair Fashion, was ähm…man kann sagen, eine Jeans mit…
wo alles falsch macht, aber es ist dann Bio-Baumwolle, die wird plötzlich als Fair Fashion verkauft, aber auch ein Produkt, wo alles komplett richtig gemacht wird.
Also das ist ein weiter Begriff, aber ich finde es auch nicht so schlimm, wenn jemand immer sagt Greenwashing, weil jeder Schritt, den wir in die richtige Richtung machen, ist schon mal gut.
Das ist total richtig.
Da würde ich mich gar nicht beschweren wollen. Hauptsache, man macht mal einen Schritt besser und dann vielleicht noch einen und noch einen. Und das ist auch so ein bisschen das Motto, was ich für mich habe oder was ich auch immer versuche, den Leuten zu transportieren. Wir müssen ja nicht perfekt sein. Es gibt sicher Menschen, die perfekt sind. Greta Thunberg, die irgendwie mit dem Boot fährt, anstatt zu fliegen. Das ist ein Extremfall.
Aber man kann ja klein anfangen und dann macht man einen Schritt und ist motiviert und sagt, das fühlt sich eigentlich gut an. Jetzt habe ich ein nachhaltiges Dirndl vielleicht und sagt, es ist eigentlich genauso schön wie mein anderes. Vielleicht sogar fühle ich mich noch besser und dann kaufe ich mir noch irgendwann nachhaltige Schuhe.
Und so einfach Schritt für Schritt sich zu verändern, ist, glaube ich, sinnvoller, als diesen Perfektheitsanspruch zu haben und dann scheitert man, weil man es nie schafft, perfekt zu sein.
Das stimmt wohl und wir bei Funke versuchen auch, mit jedem Schritt besser zu werden. Und ja, wir sagen aber auch, tue Gutes und rede darüber und ich glaube, so als Medienhaus ist es für uns auch wichtig, dann zum einen darüber zu reden und auch euch starken Stimmen für mehr nachhaltige Transformationen dann auch eine Plattform zu bieten.
Schön, dass ihr das macht.
Ja, und ich freue mich auch, dass wir dich gewinnen konnten dafür. Und ja, ich habe es vorhin schon anklingen lassen. Du hast ja auch ein eigenes, nachhaltiges Dindl mit Angermeier gemacht. Wo hast du da genau Wert drauf gelegt, als ihr das Projekt, würde ich mal sagen, gestartet habt?
Also wir wollten schon, dass das alles zertifiziert ist. Ich wusste am Anfang nicht, was das bedeutet. Und ich weiß noch, so bei unserem ersten Design-Meeting war so ein ganz großer Sack voll Knöpfen dagestanden. Und dann hat sie gesagt, weißt du was, das können wir alles nicht benutzen. Dann kam das weg und dann war irgendwie noch eine Auswahl von fünf verschiedenen da. Also nur diese Knöpfe sind nachhaltig. Das ist natürlich schon, man muss genauer schauen. Es ist ein bisschen aufwendiger. Man muss natürlich auch Nähereien, Webereien finden, die das wirklich…es gibt welche, die sind nachhaltig, aber die haben kein Zertifikat. Und dann ist es wieder so, dann glauben einem die Konkurrenz nicht. Und das ist halt, man macht sich dann auch angreifbar, weil wenn jemand…es gibt so viele Firmen, die versuchen, alles richtig zu machen.
Und da gibt es irgendwo was, was sie übersehen haben. Und darauf stürzen sich alle. Und das ist so ein bisschen die deutsche Mentalität, halt nicht zu sagen, wow, da macht jemand 95 Prozent richtig. Aber die meisten suchen den Fehler. Und das wollten wir halt nicht. Also haben wir geschaut, das ist alles zertifiziert. Das war ein bisschen, man ist eben eingeschränkt. Aber ich glaube, wir haben das echt gut gemacht. Also ich habe natürlich da wirklich tolle Experten auch an meiner Seite. Weil klar, ich habe mich viel mit eingebracht.
Aber Angemaier weiß natürlich genau, wie muss man schneidern? Was verlangt auch die Kundin? Weil das ist natürlich auch Nachhaltigkeit, wenn ich jetzt nicht sage, ich möchte unbedingt ein gelbes Dirndl, das wollte ich nämlich am Anfang. Und dann haben die gesagt, es gibt wenig Frauen, die sich mit Gelb wirklich wohlfühlen. Und dann würde ich das nie produzieren lassen, weil dann bleibt es im Laden hängen und wir werfen es weg. Das ist natürlich genau das Gegenteil von nachhaltig.
Das ist auch nicht nachhaltig, weil du musst ja auch für den Markt und für die Kundin designen.
Absolut. Und wir haben halt auch geschaut, dass wir jetzt Dirndl haben, die...zeitlos sind. Weil es gibt jetzt Trendfarben, vor ein paar Jahren Pink mit Barbie und so. Klar, da will jeder ein pinkes Dirndl, aber dann hat man es ein Jahr an. Und das bringt ja irgendwie finanziell nichts, weil man macht eine Investition und dann irgendwie im nächsten Jahr will man es nicht mehr. Und es ist auch nicht nachhaltig.
Und ich finde, wir haben sehr schlichte, klassische, traditionelle Dirndl, die man aber dann jedes Jahr neu interpretieren kann.
Ich hab jetzt so Lust in den Store zu gehen?
Nein, aber ich liebe einfach Tracht. Ich finde, ein Dirndl macht jede Frau schön. Also egal, welche Körperform man hat, jede Frau und auch jeder Mann in Lederhosen schauen einfach gut aus. Und man kann sich halt so, man kann da auch so spielen.
Also ich habe jetzt eine traditionelle weiße Bluse, hätte ich jetzt aber zu meinem grünen Dirndl eine grüne Bluse, wäre das schon wieder sehr modern. Weil das hat man jetzt so die letzten Jahre und so farbig abgestimmte. Wenn vielleicht irgendwann dann andere Schürzen modern sind, kann man die auch auswechseln. aber so dieses Grundgerüst bleibt halt gleich und das wollte ich einfach, dass man was hat, wo man auch in zehn Jahren noch gerne anschaut.
Toll.
Vielleicht krasser Themenwechsel?
Bin ich gespannt.
Ja, ich meine, ich war ja schon immer Germany's Next Top Model Fan. Ich habe auch die Folge gesehen, wo du dann quasi gewonnen hast. Da habe ich gelernt, du hast Mathematik studiert.
Ja.
Mega krass. Also, Total zahlenbasierte Disziplin und beeinflusst dich dieser quantitative Bereich heute tatsächlich noch, wenn du dich so mit Nachhaltigkeit, Mode und Fakten auseinandersetzt? Spielt das da heute noch eine Rolle so in deinem täglichen Leben? Die Mathematik?
Mathematik, ich war ja auch mal Botschafterin für das Jahr der Mathematik von dem Bundesministerium aus.
Und ich finde es einfach ein super spannendes Fach, wo aber leider so total einen schlechten Ruf hat, wo immer alle Schüler sagen, für was brauche ich das jemals wieder in meinem Leben. Aber in Mathematik geht es nicht darum, dass man Formeln auswendig lernt oder mit Zahlen irgendwie jonglieren kann, sondern eigentlich lernt man Logik.
Und das ist im Studium noch viel extremer. Die haben auch am Anfang gesagt, 90 Prozent von allem, was ihr hier lernt, werdet ihr nie wieder brauchen. Wir lernen euch logisch zu denken. Und das ist dann manchmal auch anstrengend, wenn man alles in seinem Alltag plötzlich hinterfragt und so Logik sucht.
Aber ich finde logisches Denken kann man immer in jedem Bereich in seinem Leben brauchen. Und deswegen, klar, was ich da gelernt habe, irgendwelche Kurvendiskussionen und Ableitungen, das brauche ich nicht mehr.
Aber eine rationale, logische Herangehensweise an Dinge, finde ich, ist…egal in welchem Bereich man ist, sinnvoll und hilft.
Das hilft total, Dinge hintereinander zu kriegen.
Und bei mir war es halt das Schöne, ich war ein sehr, sehr rational denkender Mensch, Und durch den Modeljob, der genau das Gegenteil ist, habe ich einfach auch gelernt, mit meinen Emotionen zu arbeiten. Und das war für mich schon eine spannende Kombination, dass ich einfach dann irgendwie beides, erlebt habe, weil nur logisch zu denken ist natürlich im Leben dann auch nicht schön, weil Gefühle sind einfach was Schönes. Das macht dann auch das Leben aus.
Das stimmt, das macht alles so schön rund, muss ich sagen. Das ist echt schön, cool. Und vielleicht, wenn du sagst, logisch denken, Dinge hintereinander kriegen, wenn man sich jetzt das ganze Thema Nachhaltigkeitsfashion, Politik, Regulierung anguckt, Lieferketten, Sorgfaltspflichtengesetz und Und all diese Transparenzpflichten in den Lieferketten. Was denkst du, ganz generell gesehen, macht die Politik da die richtigen Schritte? Ist es überreguliert? Ist es ein Enabler? Ist es ein Hindernis? Wie siehst du das heute?
Das ist ein sehr umfangreiches, schwieriges Thema, finde ich. Zum einen muss man immer schauen…wir haben diese globale Vernetzung.
Ich weiß nicht, wie viel Sinn es immer macht, in einem Land nur ein Gesetz zu machen, weil dann hat dieses Land einen Wettbewerbsnachteil eigentlich. Alle anderen halten sich nicht daran, produzieren unter den grausamsten Bedingungen. Und wenn man jetzt sagt, nur Deutschland muss da drauf schauen, dass die Bedingungen gut sind, dann geht ja auch die ganze Produktion bei uns raus. Dann haben wir erreicht, dass wir zwar gute Gesetze haben, aber hier nichts mehr produziert wird. Und das ist einfach ein schwieriges Thema.
Wo fängt man an? Es heißt auch immer: Ist die Politik verantwortlich? Ist die Wirtschaft verantwortlich? Ist der Konsument verantwortlich?
Also diese drei, was ist zuerst, Henne oder Ei?
Das ist ein großes Thema. Aber ich finde schon, dass irgendjemand mal anfangen muss, da was zu tun und dass wir uns bewusst werden müssen auch mal, dass wir eine Verantwortung haben, dass wir nicht sagen können, die Produktion ist sehr weit weg, also ist uns egal, was da ist. Ich finde nicht, dass wir da die Augen davor verschließen können, wenn die Produkte für uns produziert werden. Ich finde schon, man hat da eine Verantwortung und das ist ja auch…das Lieferkette, wir sind eben am Ende dieser Kette, wir bekommen das.
Aber ja, es ist so ein bisschen einfach ein sehr weites Thema, weil wenn ich dann sehe, wie viele hunderttausend Pakete jeden Tag für diese Superfast Fashion aus…
Shein und Temu und weiß ich nicht was. Und mein Mann kommt aus Bangladesch. Deswegen kann ich immer so ein bisschen einen Blick haben in das, was da vor Ort passiert. Und ich glaube, viele sind sich dessen gar nicht bewusst, was das bedeutet. Du hast ja vorhin auch schon gesagt, die Näherin in der Näherei, das sind schon Bedingungen, wo wir ja mit unserer Kaufentscheidung oder mit unserer Einkaufsentscheidung, jetzt rede ich mal als Einkäuferin, beeinflussen können. Da, finde ich, müssen wir vielleicht auch mehr Verantwortung übernehmen.
Ah ja, und ich finde halt das da gerade so schade, weil die haben scheinbar sehr gute Lücken gefunden im Gesetz, dass sie sich das irgendwie alles umgehen. Aber da würde ich sagen, ganz klar, sind die Konsumenten wirklich in der Verantwortung, weil ich verstehe es, wenn man irgendwie ein Budget hat. Und ich bin ja auch ganz bodenständig aufgewachsen. Ich habe auch nicht ständig neue Kleidung gekauft. Ich habe auch jetzt noch Sachen von vor 20 Jahren in meinem Schrank. Ich passe nicht mehr an alles rein, aber ich bin fix davon überzeugt, irgendwann passe ich wieder rein.
Aber ich finde nicht, dass es dann so sein kann, dass dieser Trend sich so krass umkehrt. Weil vor ein paar Jahren, wo es wirtschaftlich auch in Deutschland besser ging, da war Nachhaltigkeit so wichtig. Und ich verstehe es, dass nicht mehr die erste Priorität für die Menschen ist. Ganz klar, jeder hat andere Sorgen.
Aber dass man dann so alle moralischen Sachen über Bord wirft. Und dann, ich kenne so viele Menschen, die sagen, ja gut, dann bestelle ich mir bei Shein oder so 20 Produkte. Ich weiß, davon sind 18 Schrott. Aber die zwei sind dann ganz gut. Und eigentlich für den Preis ist es auch egal, wenn ich die 18 dann wegwerfe. Und das verstehe ich einfach nicht. Also das kann ich nicht nachvollziehen.
Und da, glaube ich, müssen wir alle uns echt, wenn man diese Zahlen anschaut, wie viele Pakete da ankommen, da müssen wir uns echt alle ein bisschen an der Nase packen. Und ich bin da konsequent. Ich bin noch nie mal auf diese Homepage schon gegangen. Immer wenn es mir diese Werbung anzeigt, dann klicke ich das weg.
Weil das kann nicht die Lösung sein. Und die Sachen, die halten ja auch nicht lang. Also dann hat man ein schönes Stück gefunden und schmeißt es wieder weg, weil es nach dem dritten Mal waschen kaputt ist. Das kann ich nicht nachvollziehen. Also wenn ich ein Lieblingsteil habe, dann will ich das für immer behalten. Ich habe zum Beispiel eine Lederjacke und das ist echt langsam ein bisschen peinlich. Die ist schon unterm Arm sehr stark aufgerissen. Und dann ziehe ich die immer wieder an und ich denke mir „Na ja, wenn ich den Arm jetzt weiter unten halte, dann sieht man das nicht“.
Und wenn ich dann eine Weste drüber habe, dann merkt man das vielleicht auch nicht und so. Aber wenn ich was mag, dann will ich das nicht mehr hergeben. Und dann verstehe ich nicht diese Wegwerfgesellschaft. Wir müssen da einfach ein bisschen wieder das als Wertprodukt sehen. Also ich denke mir auch, Flaschenpfand wird gesammelt. Und Textilien werden kiloweise einfach weggeschmissen. Also da gibt es überhaupt keine Wertschätzung mehr für die Materialien, die da reingeflossen sind. Und ich glaube, da müssen wir einfach wieder ein bisschen umdenken. Zirkulärer vielleicht auch mal denken.
Ja, wir sind schon fast eine Runde rum hier in diesem Riesenrad. Aber die Zeit ist verflogen. Kommen auch so ein bisschen zum Abschluss meiner Fragen, die ich an dich habe.
Fast forward ins Jahr 2030. 35. Wie sieht deiner Meinung nach die Modebranche da im besten Fall aus und welche Rolle wünschst du dir denn da drin?
Ach, also ich habe so ein bisschen resigniere ich in meinen Vorstellungen, wie das sein könnte. Also meine Traumvorstellung wäre natürlich, dass, ich glaube nicht, dass dann alles perfekt sein müsste, aber dass wir Mode wertschätzen, dass Frauen nicht Trends hinterherlaufen. Männer tun das gefühlt nicht so sehr, aber dass man Kleidungsstücke findet, die einem stehen und jeder so seine eigene Individualität hat.
Und dass man nicht sagt, jetzt ist irgendwie eine Schlaghose, jetzt müssen alle Schlaghosen tragen. Das finde ich so schade.
Das macht einen dann auch gar nicht wieder so individuell, weil alle haben es dann immer an.
Ja, und man kann sich da nicht selber ausdrücken, sondern man drückt den Zeitgeist aus. Es muss ja auch nicht unbedingt... Also ich würde es mir wünschen, dass jeder so für sich Lieblingsstücke findet und das wieder wertgeschätzt wird.
Und ich würde mir sehr wünschen, dass wieder viel mehr in Deutschland produziert wird, ehrlich gesagt.
Ja, das stimmt.
Lieber weniger, aber dafür hier. Und dann hat man irgendwie so mehr, schätzt man das auch mehr. Es ist ja wie, wenn man einen Garten hat und da pflanzt man Tomaten an und gießt die und kümmert sich. Und dann isst man die, dann schätzt man das viel mehr und wäre da irgendwie eine dunkle Stelle, schneidet man das weg und gibt sich Mühe und wenn man das aber im Supermarkt kauft und keine Verbindung hat, dann ja, dann bleibt es vielleicht irgendwo liegen und gammelt und man merkt es nicht.
Und so finde ich, sollte das mit Mode sein, dass das irgendwie wieder lokaler, auch bei uns ist und man kennt vielleicht dann auch mehr Leute, die da arbeiten und dann schätzt man das mehr. Das wäre so mein Traum. Ich glaube nicht, dass das passieren wird. Ich glaube, die Globalisierung kann man nicht mehr so einfach zurückdrehen, aber ja das würde ich mir wünschen.
Ich finde das eine tolle Vision und vielleicht so die Abschlussfrage wenn du die Zukunft an die du glaubst in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde der lauten?
Die Zukunft an die ich glaube. Äh…*Geräusch*…
Das ist schwer, weil ich bin ein sehr, sehr optimistischer Mensch. Ich wünsche mir immer, dass wir einfach verstehen, dass wir ein Teil von der Natur sind und dass es keinen Grund gibt, dass Menschen sich irgendwie bekriegen oder dass wir die Natur zerstört sind, dass wir eigentlich wieder merken, wo leben wir, wo gehören wir hin. Das würde ich mir immer wünschen. Ob das aber die Zukunft ist, die wir kriegen werden, glaube ich nicht, leider.
Aber man kann es sich ja wünschen.
Aber man weiß, es hört sich total super an. Aber ich verbringe jetzt auch wieder viel Zeit mit meinen Kindern eben draußen. Und auch mit Kindern spürt man eigentlich wieder so ein bisschen diesen Kreislauf in der Natur und des Lebens. Und dann denke ich mir oft, was wir uns für Gedanken machen im Alltag und über Dinge uns stressen.
Und so Kleinigkeiten, die überhaupt keinen Sinn machen. Und dann werden die aber oft groß und werden auch international größer. Und ich glaube, man bräuchte global irgendwie eine Erkenntnis, dass eigentlich die Menschen auch alle gut zueinander sein könnten. Aber ja, das ist eine sehr große Drohne, die ich habe.
Das ist aber ein schönes Abschlusswort. Und ganz lieben Dank, dass du heute hier warst im Voices for Future. Fühle mich sehr geehrt.
Ja, mich hat gefreut. Dankeschön.
Liebe Barbara, dein Impuls aus einem Interview mit Akzente, nämlich wenn die Käufer keinen Druck ausüben, wird sich die Wirtschaft nicht verändern, macht meines Erachtens schon ziemlich deutlich, Nachhaltigkeit in der Mode ist mehr als nur Stil.
Es geht um Transparenz in Lieferketten, wie wir schon besprochen haben, faire Produktionsbedingungen und auch ein neues Verständnis von Wert. Wert der Klamotte und Wert als Haltung.
Und genau an diesen Schnittstellen setzt unsere Funke For Future Academy an. Dort geht es nämlich um die Frage, wie Unternehmen nachhaltiger wirtschaften können. Sei es durch bessere Klimareportings, Kreislaufstrategien oder auch eine faire und nachhaltige Beschaffung, mit denen wir Standards auch wirklich verändern können.
Alle Infos dazu gibt es in den Shownotes des Podcasts und natürlich freuen wir uns, wenn ihr diesen abonniert, bewertet und weiterempfehlt.
Bis zur nächsten Folge bei Voices For Future.
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